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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 6

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
Date
1925-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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ehemals ungarische Orthodoxie in der Slovakei die Errichtung höherer jüdischer Schulen mit starker Betonung des Hebräischen in gehässigster Weise bekämpfte. Jugoslavien und die Balkanstaaten haben den Juden ihre alten Rechte belassen und stören sie nicht in der friedlichen Entwicklung ihrer Einrichtungen. In Griechenland freilich, besonders in Saloniki, sind fie durch die Ueberführung der griechischen Flüchtlinge aus den türkischen Gebieten wirtschaftlich stark bedroht. Nichtsdestoweniger haben die Lockrufe der spanischen Regierung bei den Spaniolen nur wenig Anklang gefunden. Rumänien setzt seine alte Politik der Heimtücke fort, es schmälert die Rechte der Juden in seinen neuen Landesteilen undmacht ihnen wirtschaftliche Schwierigkeiten — alles unter scheinbarer Wahrung des Rechts, aber mit unzweideutigen Kampfmaßregeln. Ebenso hat es, um Juden von den höheren Schulen und Universitäten auszuschließen, eine verschärfte Prüfung im Rumänischen eingeführt, die ihren Zweck erfüllt, ohne offen gegen die Verträge zu verstoßen. Litauen hat in den Flitterwochen seiner neuen staatlichen Existenz den Juden tatsächlich weitgehende kulturelle Autonomie eingeräumt, aber nach der Befestigung des Staates und demUeberhandnehmen des klerikalen Einflusses diese planmäßig abgebaut. Erst wurden die Erhaltungskosten des Ministeriums für jüdische Angelegenheiten abgelehnt, dann dieses selbst beseitigt und dem jüdischen Nationalrat die Anerkennung versagt. Das von den Juden unter gewaltigen Opfern geschaffene gediegene Schulwerk wird vom Staate nicht gefördert, wohl aber dadurch in seiner Autonomie gehemmt, daß der Unterricht in der litauischen Sprache gefordert wird. Auch das Gesetz über die Sonntagsruhe nimmt nicht die gebührende Rücksicht auf die jüdische Bevölkerung. Endlich hat das neue Gemeindegesetz die alte Einheit der Gemeinden aufgelöst, den Steuerzwang aufgehoben und diese somit schlechter gestellt als zur Zeit des Zarismus. Die Auflösung der Gemeinden ist um so gefährlicher, als die Orthodoxie, was ihr an Treue ihrer Anhänger verloren geht, durch Terror wiederzugewinnen sucht.

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