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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 4

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
Date
1925-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Kultusbeamten zu besolden, nur noch 67 unter 906 preußischen Gemeinden haben einen Rabbiner, während der Rest sich mit einem Lehrer oder Kultusbeamten begnügt, aber diesen in den seltensten Fällen nach der staatlichen Besoldungsordnung bezahlt. Höchste Opferfreudigkeit seitens der leistungsfähigen Gemeinden wird erforderlich sein, um einen Finanzausgleich herbeizuführen, kleinen Gemeinden Unterricht und Gottesdienst zu erhalten, religiöse und kulturelle Anregungen zu bieten und diese wichtigen Quellen der Kraft und der Erneuerung nicht untergehen zu lassen. Neben den Anstrengungen in der eigenen Mitte wird der Verband die Hilfe der Staatsregierung in Anspruch nehmen müssen, die seit langer Zeit einer solchen zentralen Organisation ihre finanzielle Unterstützung zugesagt hat. Aber über das Materielle hinaus wird er. hoffentlich bald zum Reichsverband erweitert, als Mittelpunkt aller jüdischen Bestrebungen, als anerkannte Vertretung der Juden nach außen seine moralische Bedeutung haben. Er wird, wenn er seine Aufgabe richtig erfaßt, das jüdische Leben mächtig beeinflussen, insbesondere in den für die Erhaltung des Judentums grundlegenden Problemen richtunggebend sein können. Bei einem Rundblick über die politische Entwicklung Europas drängt sich die Erkenntnis auf, daß sie im Zeichen der Reaktion, wenn nicht gar des Fascismus steht. Mussolini hat freilich die Hoffnung der mitteleuropäischen Völkischen bisher enttäuscht und sich nicht vor den Wagen des Antisemitismus spannen lassen. Auch hätte König Victor Emanuel III. sein in fünfundzwanzigjähriger Regierungszeit bewährtes Wohlwollen für die Juden nicht plötzlich in das Gegenteil verkehrt. Die italienische Regierung hat den jüdischen Studierenden, die in ihrer Heimat unter dem Nnmerus clausus zu leiden haben, an den Landesuniversttäten eine Zuflucht eröffnet und manche Erleichterung gewähtt. Immerhin verdienen die Zugeständnisse an die Klerikalen, wie Einführung des christlichen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen Beachtung, um so mehr, als die Organisation der jüdischen Gemeinden Italiens neuerdings an Festigkeit verliert.

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