Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115204--6612-3115237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 offener und geheimer Vorbehalte, zu denen auch die Judenfrage gehört. Vorläufig hat Reichskanzler Dr. Luther «s noch immer versucht, die deutschnationale Fronde zu brechen und den Charakter seines Kabinetts als den eines verfaffungsmäßigen zu wahren. Auch General-Feldmarschall von Hindenburg, dessen Wahl zum Reichs- Präsidenten der Rechtsblock als höchsten Triumph in Anspruch nahm, ließ sich zur Uebernahrne des schweren Amtes nur unter der Voraussetzung bestimmen, daß er es als Vertreter des gesamten Volkes verwalten könnte, und er ist seinem Wort treu geblieben. Beim Empfang der Vertreter der Religionsgemeinschaften, bei dem die Judenschaft durch den Vorsitzenden der Berliner Gemeinde vertreten war, gab der Reichspräsident erneut die Versicherung, daß er in seinem hohen Amte alle Bekenntnisse und Weltanschauungen achten und stets den Geist innerer Volksgemeinschaft schützen werde. Im inneren jüdischen Leben bedeutet die Tagung des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden einen Markstein der Entwicklung. Zwar reicht die Begründung des Verbandes einige Jahre zurück und er hat auch bereits eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, aber erst durch die am 1. Februar 1925 erfolgten Wahlen zum Verbandstag und daran anschließend zum Rat sowie durch den Zusammentritt des Verbandstags und des Rats am 21. bezw. 23. Juni 1925 ist die Leitung des Verbandes von den verfassungsmäßigen Organen übernommen und seine ordnungsmäßige Wirksamkeit begonnen worden. Jetzt, wo er mit den breiten Massen der Wähler verbunden ist und ihren Willen zum Ausdruck bringt, wird der Landesverband in der Lage sein, die von ihm erwarteten Segnungen zu verbreiten. Wie jeder Zusammenschluß, soll er alle Glieder der Vereinigung stärken. Da ist zunächst die Hilfeleistung für die kleinen und kleinsten Gemeinden eine unabweisliche Pflicht; die Landflucht, die durch die antisemitischen Roheiten der letzten Jahre verschärft wurde, hat ihnen übel mitgespielt und die Existenz vieler in Frage gestellt. Fast ein Viertel der preußischen Gemeinden ist nicht mehr in der Lage, einen Lehrer oder i»