Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 frage freilich haben sie Wort gehalten, sie haben überall Anträge eingebracht, die Angehörigen der jüdischen Raffe unter Fremdenrecht zu stellen. Wenn auch diese Anträge vorläufig der Lächerlichkeit anheimfallen, so darf doch nicht übersehen werden, daß die Völkischen auf die Regierungen einzelner Länder wie Thüringen und Mecklenburg einen starken Druck ausüben und auf dem Wege der berühmten „Verwaltungsprellerei" mancherlei durchsetzen. Selbst im Preußen Severings, das noch immer als „jüdisch-marxistisch" angegriffen wird, haben Juden, zumal ausländische, über Härten der Verwaltung zu klagen. Es ist nicht zu leugnen, daß die zielbewußte, mit Geldmitteln reich versorgte Agitation der Völkischen viel erreicht hat. Haß und Vorurteil gegen die Juden sind stärker als je, selbst an der Stätte des Gerichts, wo unparteiisch Recht gesprochen werden sollte, machen sie sich bisweilen rücksichtslos geltend. Beschimpfungen jüdisch-religiöser Schriften oder Einrichtungen, Beschädigungen von Synagogen. Schändungen von Friedhöfen gehören nicht zu den Seltenheiten — die Kampsverbände, die es freilich nie gewesen sein wollen, triumphieren. Der Numeros clausus, das Ziel der Sehnsucht aller „arischen" Studenten, ist zwar noch nicht an den Universitäten, Wohl aber im Deutsch-Oesterreichischen Alpenverein angenommen — bezeichnend genug, daß es den Rufern im Streit mehr an der Reinheit der Raffen, als an Sauberkeit der Kassenführung gelegen ist. Die traurigste Erscheinung freilich ist, daß die Befürworter des Numeros clausus sich auch auf die Zustimmung einiger Juden berufen konnten, und ebenso betrübend ist es, daß die hochangesehenen jüdischen Mitglieder der Deutschen Volkspartei sich ähnlichen antisemitischen Machenschaften innerhalb ihrer Partei nicht energisch widersetzen. „Gegen Juden- und Franzosenherrschaft" lautete die Parole, mit der die Deutschnationale Volkspartei den Wahlkampf zum Reichstag 1924 siegreich führte — freilich mit der Wirkung, daß die früheren Todfeinde der Weimarer Verfassung sich zu ihr bekannt und sie als Regierungsmänner beschworen haben, allerdings mit einer Reihe