Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 141 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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— 141 — Marya. So ein Gespräch regt dich auf. — Geh auf dein Zimmer! S im s o n. Geh du nur schlafen, Kind! Ich bleib hier noch eine Weile sitzen. — Mir tut die Nachtluft gut . . . die Einsamkeit auch . . . * (Marha geht ins Haus. Simson bleibt in Gedanken versunken.) (Tanchum hat sein Versteck verlassen und sich langsam Simson genähert. Er legt behutsam die Hand auf seine Schulter.) Tanchum. Erschrick nicht, Simson! Ich bin's. Simson (erhebt den Blick zu ihm, ist aber nicht im geringsten verwundert). Tanchum, Ihr seid's? — Gut, daß Ihr mal kommt. Tanchum. Gelt, es macht doch einem eine Freude, nach langer Zeit einen alten Bekannten wiederzusehen. Simson. Gewiß. — Was bringt Ihr Gutes? Tanchum. Wo gibt's heute Gutes auf der Welt! — Wie geht es dir? SimfvN (schweigt verlegen). Tanchum. Wo man hinschaut, man sieht nur Leiden . . . Leiden ... Einem jeden wird halt sein Päckchen ausgeladen; das muß er tragen ... tragen . . . Und wenn es zu Ende ist — was bleibt? Simson. Ihr seid heute traurig, Tanchum. Tanchum. Man hat seine Ursach, Simson, man hat seine U» sach. Das Leben zermürbt einen . . . und der Tod reißt seine Lücken . . . Man wird traurig, Simson, man lernt mit der Zeit traurig sein. Simson. Ihr habt recht.