Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 139 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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— 139 — Marya. Ich hörte dich in den Garten gehen und bin dir gefolgt. — Fast jeden Abend, just um die Mitternachtsstunde, gehst du in den Garten. Fühlst du dich nicht wohl? S imso n. O nein. Ganz Wohl. M a r y a. Warum störst du dir die Nachtruhe? S im so n. Ach, es ist nichts . . . Eine Erinnerung — eine alte Gewohnheit treibt mich aus dem Hause . . . M a r y a. Und gerade um die Mitternachtsstunde ... S im s o n. Ja, weißt du ... es ist grad die Stunde,, die wir dem Studium zu widmen pflegten . . . M a r y a. Wir? S i M s 0 N (zögernd). Ich meine: ich — und — mein Vater. Marya. Was habt ihr denn studiert? S i M s 0 N (auf den Folianten zeigend). Dieses Buch hier — den Talmud. Marya. Was ist denn das eigentlich Talmud? S im s o n. Ja, mein Kind, das ist schwer zu sagen. Das ist eine Art geistiges Vaterland. Da bleibt man drinnen, selbst wenn man draußen ist. Mary a. Das versteh ich nicht. S im s o n. Ich will dir eine. Geschichte erzählen: Einst raubte man einem Weisen einen solchen Folianten und