Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 138 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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— 138 — P a W e k (abwehrend). Ich tu es nich deswegen. — Ich will Euch bloß 'neu Dienst erweisen. T a N ch U M (klopft ihm auf die Schulter). Du bist ein guter Kerl. Pawel. Joj, Tanchunju, mich plagt Gewissen so sehr, — mir das Herz so weh tut. — Hab ich geschlagen den alten Mann — ein heiliger Mann. T a N ch U m (seiner Brust entringt sich ein Seufzer). Ja, er war ein heiliger Mann. Pawel. Ich Hab keine Schuld — ich nich — ich hab's nich gewollt. — Ich hab's getan aus Geheiß — aus Befehl. — Ich tun muß, was man mir heißt. — Bin ich doch nur Diener — bin ich doch nur Knecht! T a n ch u m. Ich weiß, mit dir und deinesgleichen würden wir Juden ganz gut auskommen, wenn nur die Herrschaften nicht wären, die euch Befehle geben. — Jetzt zeig mir mal das Versteck! Pawel (mustert ihn). Aber, Tanchunju, Ihr werd't nich Schlechtes tun — Ihr seid ein ehrlicher Mann . . . T a n ch u m. Vertrau nur mir! Ich werde nicht Schlechtes tun. (Pawel führt ihn hinter die Laube, wo sich Tanchum versteckt.) (S i rn s o n tritt, mit einem Folianten unterm Arm, aus dem Haustor und bleibt eine Weile auf der obersten Stufe stehen. Dann steigt er langsam die Stufen hinunter. Er läßt sich auf die Bank vor der Laube nieder und legt den Folianten neben sich. Er stützt den Kopf auf den Arm und schaut mit verträumtem Blick ins Weite. Pawel tritt hinter der Laube hervor.' Er geht durch den Garten, an Simson vorüber, wendet den Kopf, mustert ihn eine Weile, murmelt etwas in den Bart, und verschwindet in einem Seiteneingang des Hauses. Bald darauf tritt, in einen weiten Mantel gehüllt, M a r y a aus dem Villentor. Sie geht behend die Stufen hinunter.)