Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 137 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Aufzug. Ein Garten vor der Villa Wolowskis. Im Hintergrunds ein schmiedeeisernes Gitter mit kleiner Gartentür. In der Mitte ein Rasenteppich. Links Gesträuch und Bäumchen. Eine Laube rnit Glaswänden. Unweit davon eine Bank, daneben ein niedriger Eisenpfahl mit zierlicher Laterne. Nahe dem Gitter, in der äußersten Gartenecke links, steht, wie vereinsamt, eine alte Linde. Rechts sieht man die Villa Wolowskis, einen schmucken Bau mit gewölbtem Tor, zu dem einige Steinstufen hinaufführen. Dem Garten gegenüber, jenseits der Chaussee, ist ein jüdischer Friedhof, der von einer niedrigen Planke umgeben ist. Das Feld ist besät mit rechtwinkligen Grabsteinen, zwischen denen hier und da eine Trauerweide sich erhebt. Mondscheinhelle Nacht. Im Garten brennt die Laterne und wirft einen milden Schein auf die Bank vor der Laube. Pawel steht am Gartengitter und lugt aus wie einer, der jemand erwartet. Bald darauf erscheint Tanchum hinter dem Gitter. Er gibt Pawel ein Zeichen; dieser schließt die Gartentür auf. Tanchum betritt den Garten. Pawel macht die Gartentür wieder zu, zieht den Schlüssel ab, ohne ihn umzudrehen. Tanchum. Ein Mann, ein Wort! Pawel. Hab ich gesagt, Tanchunju, ich laß Euch 'rein, so werd ich auch Euch 'reinlassen. T a n ch u m. Von dir Hab ich's nicht anders erwartet. (Will ihm einige Silbermünzen in die Hand drücken.) Pawel (zieht die Hand zurück). Nein, Tanchunju, das nicht. Tanchum. So komm morgen zu mir, ich geb dir eine Flasche Kontuschuwka, von dem echten, der wie ein Feuer durch alle Glieder sich ergießt.