Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 129 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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— 129 — Simson. Einmal hat's eine Stunde der Umkehr für mich gegeben, die ist nun vorbei. — Dir, Rahel, will ich es erzählen. Das war in jener Schabuoth-Nacht. Mutig ging ich durch die schlafenden Straßen der Stadt; ich war meines Weges sicher, wenn auch meines Zieles nicht ganz bewußt . . . Ich ging . . . und ging . . . beinah leichten Schrittes durch das Dunkel der Nacht . . . Da — mit einemmal — fühlt' ich ein Zucken in allen Gliedern . . . meine Knie begannen zu zittern . . . Stimmen umsausten mich ... ich hörte ein Rufen . . . hörte einen Ton, der gebieterisch klang . . . (Bricht ob; nach einer Atempause.) Ja, — damals hätte ich's können.-Ich Hab es nicht getan. Rahel (eindringlich). Tu's jetzt! Sims on. Zu spät! Rahel. Tu's, sag ich dir, tu's! — Sims on (wild). Nein, Rahel. — Ich kann's nicht ... ich will's nicht — — (Er stürzt aus dem Zimmer. Rahel entfernt sich langsam vom Fenster.) (Pawel tritt auf.) Pawel (macht sich im Zimmer zu schaffen, bürstet die Sessel mit der Hand ab und rückt sie zurecht). Joj, Boze, Boze, es is halt ein Kreuz mit die liebe Herrschaften. — Die Alte läuft 'rum wie 'ne Maus, die Gift g'schluckt hat — der Alte is sich nervös — das Freilein is sich verliebt — und der junge Herr, der „Neugeback'ne", (lacht) der is mir grad der Rechte; er träumt am Tag und nachts kuckt er in die Stern'. (Er stellt sich ans Fenster und horcht hinaus; dann schließt er es mit hörbarem Geräusch. Hierauf löscht er die Lampe aus und geht ab.) Jahrbuch 1320. 9