Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Das Problem der jüdischen Kultur
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 93 (sequence 8)
- Language
- German
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93 raschen Schritten der Fürst in die Rennbahn und riefr Halt ein. Wahnwitziger, töte mir Meine edlen Rosse nicht l Zum zweiten Male öffnen sich die Schranken, der zweite Kämpfer naht. Ein schöner, kraftvoller Jüngling, trat er mit sieggewiffem Stolze auf. Denn er hatte das Jahr der Vorbereitung nicht umsonst verstreichen lassen. Nach, allen Regeln hatte er die Kunst der Rosselenkung wohl erlernt und wußte genau Bescheid in allen Hantierungen und Listen. Allein kaum hatte er den Versuch gemacht,. die Rosse vor seinen Wagen zu spannen und sich auf» geschwungen, da gingen die feurigen Renner mit ihrn durch. Wildschnaubend stürmten sie durch die Rennbahn, und hilflos saß der arme Meister oben. Zum dritten Male öffnen sich die Schranken. Der letzte Kämpfer tritt in die Bahn. Und wie er mit ernstem und doch so mildem Antlitz zu der Menge emporschaut, und wie er festen, sicheren Schrittes zu den Rossen tritt und mit starker, wohlgeübter Hand die Zügel erfaßt, da ging es wie ein freudiges Flüstern froher Erwartungdurch die Menge. Jetzt hat er sich auf den Wagen geschwungen. Die Rosse stürmen dahin. Wohl suchen sie, wie sonst, in wildem Ungestüm der meisternden Hanb sich zu entwinden, aber zitternd fühlen sie den eisernen Druck, zitternd und knirschend folgen sie in widerstrebendem Grimm der geübten Meisterhand. Und wie. die fünf schnaubenden Rosse, durch des Meisters zügelnde Kraft gelenkt, die Rennbahn durchstürmen, brach tausendstimmiger Jubel in der Menge los, und unter dem Beifalljauchzen des Volkes schritt der Fürst dem Sieger entgegen, an der Hand die lieblich errötende Tochter, die den Lorbeer um die Stirn des Siegers windet. Nun aber, da der Beifall endlich verstummte, sprach, der Fürst: Erzähle mir, mein Sohn, wie es dir gelang, die Rosse zu bewältigen. Und der Sieger sprach: Seit frühester Kindheit schon ward ich geübt, die Zügel zu führen und der Rosse Ungestüm zu meistern. So wuchs ich in der Gewohnheit der Zügelung heran, und, ehe ich mich versah, war min