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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Das Problem der jüdischen Kultur
Date
1920-01-01
Page
92 (sequence 7)
Language
German
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— 92 Nach dem Vorbild Lessings und seinem tiefen Wort „nicht Kinder bloß speist man mit Märchen ab", will auch ich die Lösung des Problems in das Gewand einer Parabel kleiden. Es war einmal ein gar reicher und mächtiger Fürst. Der besaß neben andern kostbaren Schätzen fünf edle Rosse von seltener Art. Sie waren so feurig, so ungestüm, daß ihre Wildheit jedes Versuches spottete, sie zu bändigen. Wer es noch immer versucht hatte, sie vor seinen Wagen .zu spannen, der war bald nicht mehr Herr über sie, sondern sie waren Herr über ihn; sie trugen ihn, wohin sie wollten, und er mußte sie hinstürmen lassen und froh sein, wenn er mit heilen Gliedern davon kam. ____ Das verdroß den Fürsten sehr. Darum ließ er eines Tages an alle Bewohner seines Landes einen Aufruf ergehen, wer die fünf ungezähmten Rosse bezwinge, der solle als Siegespreis des Fürsten holdselige Tochter als Gemahlin heimführen. Ein Jahr lang ließ er denen, die das Wagnis bestehen wollten, Zeit, daß sie sich zu dem schweren Werke übten. Nachdem das Jahr vergangen war, veranstaltete der Fürst ein glänzendes Turnier, auf dem er alle Pracht seines Reiches entfaltete. Unzählige waren herbeigeströmt, -um das seltene Kampfspiel zu schauen, und in erwartungsvoller Schaulust waren aller Augen auf die Rennbahn gerichtet, wo die fünf feurigen Posse voll stürmischen Kampfesmuts harrten. Drei Kämpfer, so hatte man gehört, waren erschienen, um den Kamps zu wagen. Auf einen Wink des Fürsten öffnen sich die Schranken, mnd herein tritt der erste der Kämpfer, ein hagerer Mann, dem des Willens eiserne Kraft auf der bleichen Stirne geschrieben steht. Aus seinen schwärmerischen 'Augen blickt ein düsterer Zug von Schwermut.. Rasch tritt er zu den Rossen, um sie vor den Wagen zu spannen. Als sie gegen seine zügelnde Hand sich immer und immer wieder^ ungebärdig sträubten, schlug er mit sausender Geißel auf sie ein und zeigte deutlich seine Absicht, sie zu töten, wenn sie länger widerstrebten. Da eilte mit

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