Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 82 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111112-3115043--6157-3115138- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 82 — Fülle der Arbeit. Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen. Da wird es nötig sein, dies neue Leben zu kräftigen und die Quellen der Befriedigung und Beseligung wieder zu erschließen in gewissenhafter Arbeit für die Gesamtheit, aber auch für Israels Aufgaben und seine Zukunft. Gebe Gott, daß über der Welt dann das Haus nicht vernachlässigt wird, das jüdische Haus, sodaß auch wir auf den Lichthöhen des Glücks, wie in den Niederungen der Mühen und des Kampfes mit Stolz rühmen dürfen: Mein Haus ist meine Burg! * * * Nachwort. Vorstehender Vortrag ist im Winter 1915/16 in der Reihe der Montagsvorlesungen der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums gehalten worden. Damals wiegten wir uns noch in der Hoffnung auf Sieg und erwarteten einen ehrenvollen dauernden Frieden. Was wir erhofft, hat sich nicht erfüllt. Drückendes Leid und schwere Prüfungen sind uns auferlegt worden, und die Zukunft erfordert Ergebung, Ausdauer und Widerstandskraft. Israel wird sich mit Kraft über seine Feinde erheben, wenn das Haus erleuchtet und erwärmt wird durch den jüdischen Geist, wenn von den Pflegstätten des Judentums aus die Kenntnis der Religion gemehrt und vertieft wird, wenn das jüdische Heim überzeugungstreue und opferwillige Bekenner unserer Religion erzieht, wenn jeder Jude'da draußen in der Welt gewissenhaft und pflichttreu sich nach der Mahnung des Propheten richtet: „Dir ist gesagt worden, o Mensch, was gut ist und was der Herr, dein Gott, von dir fordert: Recht tun, Liebe üben, sowie demutsvoll und bescheiden vor dem Herrn, deinem Gotte zu wandeln!" Geschieht das, dann wird sich, wie