Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 81 (sequence 21)
- Language
- German
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— 81 einen neuen Rock 26 Thaler. Der Bräutigam desgl. 30 Thaler. Außerdem erhalten die Hochzeitsleute einen gemästeten Ochsen, Wert 40 Thaler, einen fetten Hammel- 8 Thaler, ein Faß Koscherwein — 12 Thaler. Die Fürstin gab zur Ausstattung 50 Dukaten — 137 Thaler 12Groschen, desgleichen ein „properes" Brautkleid; die Erbprinzessin eine propere Mütze und Haube; Prinz Eugen 24 Ellen Leinwand zum Bettlaken, Prinzeß Wilhelmine einen Fischbeinrock u. s. w. Die ganze jüdische Gemeinde mußte um 1 Uhr auf dem Schloß erscheinen. In einem Saal vollzog sich das Bedecken der Braut. Dann gings mit klingendem Spiel in den Schloßgarten, wo die Trauung stattfand, bei „welchem Akte die hohen Herrschaften aus den Fenstern Zuschauers abgegeben haben".35) Nach der Trauung zog die Hochzeitsgesellschaft mit Musik durch Dessaus Straßen zum Festhause und gab fich den Tafelfreuden bis tief in die Nacht hin. Währenddem saß in einem kleinen Stübchen der Spittelstraße (heute Askanische Straße) bei dem trüben Schein einer Lampe der elfjährige Moses, des Lehrers Mendels Sohn, über seinem Buche, um die Geheimnisse der Religionsphilosophen zu ergründen. Zwei Jahre später zog er durch das Rosenthaler Tor in Berlin ein, wo er zum Führer und Germanisator der deutschen Juden heranreifte. Er hat ihnen deutsche und europäische Kultur vermittelt und redlich mit dazu beigetragen, daß die Schranken fielen und das bürgerlich freigewordene Israel aus seinem schlichten Heim in die große Welt ziehen konnte, um in edelm Wetteifer mftzuarbeiten in Wissenschaft und Kunst, in Handel, Gewerbe und Industrie, opferfteudig strebend und kämpfend für des Vaterlandes Bestand, Wohlfahrt und Ehre. Viele sind in die Welt hinausgegangen, die den Weg zurück in das jüdische Haus nicht wieder gefunden haben. Meine hochgeehrten Zuhörer, ich bin — um mit der Schrift zu reden — kein Prophet und keines Propheten Sohn — aber das darf ich behaupten: die neue Zeit, die uns s. G. w. durch einen ehrenhaften Frieden erschlossen wird, stellt uns vor eine kaum geahnte Jahrbuch' 1920. ß