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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
Date
1920-01-01
Page
78 (sequence 18)
Language
German
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78 und ließen ihren Witz sprudeln. Man trank, wie auch heute, zur Gesundheit des Paares aus großen Glas- Hokalen, ließ die Musikanten aufspielen, und während die Jugend die „umbgehenden Tänze", den Spring- und Fackeltanz aufführten, gaben sich die Alten dem Spiel, den Glückshäsen, Losewerfen, dem Schach und nicht selten -auch dem Wetten hin. Die Kleidung der Frauen war nach Vorschrift der Rabbiner einfach, denn auch in jüdischen Kreisen hatte man, wie dies im 14. und 16. Jahrhundert auch bei den Christen Deutschlands der Fall war, Verordnungen erlassen, um die Ausschreitungen bei Hochzeiten und sonstigen Festlichkeiten einzuschränken. Die bis in das 15. Jahrhundert verhältnismäßig günstige Lage der Frankfurter Juden nimmt durch die in der sogenannten Stättigkeit festgelegte Judengesetzgebung, die Verachtung und Gehässigkeit diktiert haben, eine schlimme Wendung. Juden werden nur in beschränkter Anzahl geduldet. Sie dürfen fremden Glaubensgenossen -einzig zur Meßzeit Aufenthalt gewähren. Sie unterliegen argen Berkehrsbeschränkungen. So dürfen sie außer den Sabbatweibern kein christliches Gesinde halten, dürfen den Wochenmarkt nur zu bestimmten Stunden besuchen, müssen hinter christlichen Käufern zurückstehen und dürfen die Waren, die sie berührt haben, nicht zurückgeben, sie müssen sie ohne Widerrede erwerben. Fische durften sie im Sommer nur nach 9 Uhr morgens, im Winter nach 10 Uhr und nur auf dem Markt, nicht am Main kaufen. Verboten war ihnen das Spazierengehen in der Stadt und am Main. Wo es ausnahmsweise gestattet war, durften nur zwei nebeneinander gehen. Offene Geschäfte in neuen Sachen durften sie nicht führen, von Wein nur Koscherwein verkaufen. Anfang des 17. Jahrhunderts ward ihre Lage unerträglich. Der aufgespeicherte Haß -entlud sich in der von Vinzenz Fettmilch heraufbeschworenen Verfolgung. Vor kurzem konnten die Frankfurter den Tag feiern, an dem vor 300 Jahren die Ausgewiesenen in die Heimat zurückkehrten. Das

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