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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 76

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
Date
1920-01-01
Page
76 (sequence 16)
Language
German
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76 in unfern Tagen schiere!" und wie seine Tischgenossen das Schlußlied von der ewigen Vergeltung, das uralte Chad- Zadja anstimmen. — Von den Leiden, die das 13. und 14. Jahrhundert über die Juden brachte, sind die in der bayerischen Residenz nicht verschont geblieben. Trotzdem sie als Finanzleute unentbehrlich geworden waren, beschränkte man sie mit Ausnahmegesetzen, drückenden Steuern und Abgaben. Die Lage ward etwas beffer, als Herzog Stephan 1363 versprach, sie in ihren Rechten zu belassen, und Herzog Friedrich verordnete, daß sie zu Wasser und zu Lande an allen Zollstätten nicht mehr entrichten sollten als die ■ Christen, und daß ihr Geschäftsbetrieb ihnen nicht erschwert werde. In dieser Zeit ist die jüdische Gemeinde Münchens nicht unbedeutend. Aus einem im Straßburger Archiv31) aufbewahrtem Schreiben ersehen wir, daß sieben Vorsteher an ihrer Spitze standen, die besonders betonten, daß sie ihre Religion in Ehren halten wollten. Man plante den Bau einer neuen Synagoge und eines Armen- und Krankenhauses. Das erwähnte Archiv meldet uns auch den Namen Meister Jakobs des Juden, der Leibarzt des Herzogs war. Die schweren Zeiten, die von den königlichen Steuergenies, von König Wenzel und seinen Nachfolgern heraufbeschworen wurden, ahnte man damals noch nicht, lebte schlicht und recht und feierte nach säuern Wochen frohe Feste. — An einem Hochzeitsfeste Ende des 14. Jahrhunderts wollen wir im Geiste teilnehmen.32) Die Hochzeit wurde am Vorabend mit einem Spiel, dem sogenannten Spinolz, eingeleitet. Der Rabbiner, von den Vornehmsten der Gemeinde begleitet, überreichte nach kurzer Ansprache dem Brautpaar die Geschenke. Der Braut übergab er den golddurchwixkten Gürtel, Schleier, Kürsen und Kränze!. Der Bräutigam erhielt Ring und Schuhe, denen die Mutter der Braut einen mit Silber gestickten Gürtel hinzufügte. — Die Vorfeier beschloß ein Mahl, dem Tanz und Spiel folgten. — In der Frühe des Hochzeitstages rief der Schulklopfec zum Gebet und lud zum Maien oder Maan ein. Der

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