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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
Date
1920-01-01
Page
75 (sequence 15)
Language
German
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— 75 — Krosigk und nahmen ihnen groß Gut ob".29) Nur das Haus war die Stätte reiner Freuden. Selbst in den trübsten Tagen sind Gottvertrauen, Lebensfreude, Hoffnung und Mut aus demselben nicht geschwunden. Mit reichen Hoffnungen erfüllte u. a. eine Sederfeier. Zu einer solchen hat uns der geachtete Mainzer Hochmeister R. Jakob Levi, als Maharil bekannt, mit einer Einladung beehrt. Wir folgen ihr gern. Denn der alte Wunsch: „dieses Jahr Knechte, im nächsten Jahre freie Menschen" scheint schon 1384 sich der Erfüllung zu nähern. Die Regierung des Erzbischofs Adolf I. von Naffau verheißt friedensreiche Zeiten. Er hat den Würfelzoll abgeschafft, Beschränkungen aufgehoben und sich seiner Schutzgenossen angenommen. Man ahnte nicht, wie bald ein Umschwung kommen sollte. 9°) Darum ging man nach dem Gottesdienstezuversichtlich zum Seder. Wir treten in ein geräumiges, behagliches Zimmer, von deffen getäfelter Decke die blinkende Sabbatlampe herabhängt. Heute bewährt sich der alte Spruch: „Steigt die-SabbatlamP' herab, wendet Not und Sorg sich ab". Ihre Strahlen fallen auf einen mit schneeigem Leinen gedeckten Tisch, auf dem kunstvolle Becher und Schalen prangen und die sinnigen Erinnerungszeichen liegen. Vor dem Hausherrn, der über seine Festkleider das Sargenes angezogen hat, liegt eine alte Perganienthandschrift der Hagada, mit Bildern reichlichgeziert und mit den obligaten Wein- und Charaussesflecken. Ist es nötig, noch ausführlich zu schildern, wie der Rabbi, heute ein König in seinem Reiche, an der Seite seiner' Königin, der holden Gima, umgeben von seinen Lieben erzählend und singend die Erinnerung weckt an die Zeit der ersten Erlösung, hinweisend auf das elende Brot, das Wohltun einprägt; wie er das Festmahl würzt mit geistreichen Erklärungen, und die würdige Feier mit dem Bekennt-- nis schließt: Eins und das ist aber wahr und dassclbige weiß ich. Eins, das ist unser Gott, der da lebt und der da schwebt im Himmel und auf Erden; wie er dem Wunsche Ausdruck gibt: „Allmächtiger Goch nun bau' Deinen Tempel schiere, also bald uild also gleich

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