Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 74 (sequence 14)
- Language
- German
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74 — geborenes Töchterchen ruht, das heute seinen Namen erhalten soll. Die junge Gesellschaft hebt wiederholt die Wiege empor und ruft: Holla kreisch, wie soll das Kindlein heißen?28) Der Sabbat naht sich seinem Ende. Bald hören wirr Gott Awrohom, Jizchock und Jakauw! Behüt dein Volk Jisroeil in seinem Lauf, die Woch, die soll uns kommen zu Massel und Broche und zu allem Frommen. Der liebe Schabbes kaudesch geht dahin — die Woche, die soll uns kummen zu Massel und Broche, zu Parnofse und Auscher, bekowed und zu allem Gewinn. — Der Jude, der nach diesen Worten den Becher erhob und den Bibel- Vers sprach: „Siehe! Gott ist mein Heil, ihm will ich vertrauen und nicht fürchten, denn meine Kraft und mein Ruhm ist Gott, er kam mir stets zu Hilfe", der ging gestärkt und vertrauensvoll den Tagen der Sorge und Arbeit entgegen. Nicht nur die poesiereichen Sabbatstunden brachten dem Israeliten Frohsinn, Erhebung und Kraft; es kamen auch Familienfeste, die nachhaltig wirkten. Welche Beseligung, wenn der Vater seinen Sohn in den Abrahamsbund einführte, wenn nach Jahresfrist das Knäblein in das Gotteshaus gebracht wurde, um seine Wimpel, auch Mappa genannt, dem heiligen Archiv zu übergeben! Die Jahre eilen pfeilgeschwind. Der sorgfältig erzogene Knabe liest am Tage seiner religiösen Mündigkeitserklärung aus den heiligen Pergamenten vor und hält an heiterer Tafelrunde seine mit Zitaten gespickte Barmizwa-Drosche. Wer dächte nicht auch an das Weihesest mit seinem Lichterglanz und den einfachen reizenden Spielen, an das Losfest mit dem farbigen Mummenschanz! Wenns höher hergehen sollte und Juden auf eigene Faust Vergnügungen arrangierten, die sie den nichtjüdischen Kreisen abgelernt hatten, da kam die Ernüchterung recht bald. So war 1386 in Weißenfels ein Turnier veranstaltet, das die Magdeburger Schöppenchronik als einen Hof bezeichnet, „wo die Juden stachen und tornierten". „Aber, da der Hof zerginge, da wurden die fremden Juden auf ihrer Heimfahrt verhalten von Klaus von Trotha und Koler von