Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 72 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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72 eine Reihe würdiger Gelehrten den ewigen Schlaf gefunden. Bald steht er am Grabe seines unvergessenen Verwandten, der auf seinen Wunsch neben dem gefeierten Lehrer R. Meir aus Rothenburg ruht, dessen irdische Überreste er aus Ensisheim im Elsaß in die rheinische Heimat überführen ließ. Eilen wir von der Stätte des Todes an die lebensfrohen Gestade der Mosel und verleben wir Ende des 14. Jahrhunderts einen Sabbat in Trier, das neben Köln einer der ältesten Judensitze war. An den Niederrhein und die Mosel sind Juden schon in sehr früher Zeit eingewandert. Um 1160 berichtet Benjamin von Tudela: „An der Mosel findet man zahlreiche jüdische Gemeinden. In den Städten leben große Gelehrte. Die Gemeinden stehen auf bestem Fuße miteinander und behandeln Fern und Nah mit Freundlichkeit. Reisende, die sie besuchen, werden gastlich ausgenommen. Sie hoffen, daß die Erlösung bald kommen werde. Sie ermahnen einander zum Festhalten an ihrem Glauben. In all den Moselstädten leben reiche und gelehrte Juden".24) Von den Verfolgungen und Überfällen sind die Juden in Trier im Mittelalter kaum verschont geblieben. — Wir wollen uns nicht in Einzelheiten verlieren und zur Charakteristik ihrer Lage nur zwei Notizen geben. Alte Memorbücher gedenken des Mar Isaak und seiner Frau Bella, welche die Aufhebung des Zolls in Koblenz erwirkt haben. Hier hatte das St. Simonsstift in Trier eine Zollstätte, an der nicht nur Juden, Sklaven, Falken und Schwerter hohen Zoll zu zahlen hatten, sondern auch — und das war das Schändende — jüdische Frauen, die Mutterfreuden erwarteten, einen doppelten Beitrag entrichten mußten.25) Die Juden des Erzstifts Trier haben in dieser Zeit jährlich 160 Mark für die Münze zu leisten, zu Weihnachten und zu Ostern müssen sie dem Erzbischof 6 Pfd. Pfeffer, dem Kämmerer 2 Pfd. geben; der Erzbischof, der Kaplan, der Kämmerer und dessen Frau, erhalten Gürtel und Seidenstoffe. Der jüdische Gemeindevorsteher leiht dem Erzbischof jährlich 10 Mark ohne