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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
Date
1920-01-01
Page
71 (sequence 11)
Language
German
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71 schreckliche Anzeichen lassen Schlimmes befürchten. Schändende Gesetze sind auf den Konzilien dekretiert, die Berufstätigkeit ist geschmälert, Zwang zum Abfall nicht selten. Verboten wird den Juden der Verkehr mit Christen, man weist ihnen die Judenquartiere an, schändet sie durch Abzeichen an der Kleidung, erpreßt von ihnen Steuern und Abgaben und macht sie recht- und schutzlos. Das sind schlimme Vorboten der Gewitter, die sich bald in Verfolgungen, besonders in der furchtbaren sozialen Revolution von 1349, als man die Juden der Brunnenvergiftung beschuldigte, entladen sollen. In diese schwüle Atmosphäre tritt um 1320 ein junger Frankfurter, der das Grab seines Ahnherrn, des Kaufmanns Alexander Wimpfens, der neben R. Meir aus Rothenburg seine Ruhestätte fand, besuchen will.21) Sein Weg führt chn zuerst in die Synagoge, um mit der Gemeinde zu beten. Welche Empfindungen durchzittern ihn in dem alten, 1034 errichteten Bau! Dieser Bau hat standgehalten in allen Stürmen, die über die Stadt dahingebraust sind. In Not und Verfolgung hat sich hier das zagende Herz zu Gott gewandt.- Es hat Zuflucht gesucht vor den Schrecken, die draußen tobten. Dort, wo an den Wohnungen sonst die Pfostenschrift angebracht ist, hat hier fromme Übung den Stein hohl geküßt. Dort, der zu ebener Erde liegenden Frauensynagoge gegenüber, die ihre eigene Vorbeterin hatte,22) brennt immerdar ein kleines Jahrzeitlicht, das zwei Glaubensbrüder verewigt, die durch ihren Märtyrertod einst die Gemeinde gerettet haben.23) Hier reden die Steine an der Wand, wie z. B. draußen in der Tempelmauer die Höhlung, in der die Mutter Judas des Frommen sich bergen konnte, als ihr ein Unfall durch Überfahren drohte. Aus wertvollen Pergamenthandschriften (heute bewahrt sie die sogen. Raschikapelle) trägt der Vorbeter die Gebete vor, die mit dem Kaddisch enden, mit jenem wundersamen Gebet, das Engel auf die Erde brachten, und das der Elternliebe ein Denkmal frommen Gedenkens errichtet. Von dem Gotteshause eilt der junge Frankfurter nach dem Gottesacker, wo inmitten ihrer Gemeindemitglieder

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