Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 70 (sequence 10)
- Language
- German
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70 die mit Honig bestrichenen Buchstaben beleckt werden^ damit es die Süßigkeiten der Lehre koste. Auf feinem Nürnberger Lebkuchen stehen entsprechende Verse, desgleichen auf einem gekochten Ei. Nach Einprägung der Verse verzehrt die junge Schar die pädagogischen Leckerbissen. Später führt man die Neuaufgenommenen an das Wasser, dieses Bild der Gotteslehre, und segnet siemit dem Worte der Schrift: „es mögen Deine Quellen sich nach außen verbreiten".^") Später dürfte der Unterricht, der vorzüglich dem Hebräischen gewidmet war, methodischer erteilt worden sein. Früh setzte auch der Unterricht im Talmud ein .. . „da hat man den Jüngern erschlossen die Halacha, diese große Fechterschule, wo die besten dialektischen Athleten ihre Kämpferspiele trieben". Wie manches jugendliche Hirn mag sich damals schon mit den pilpulistischen Disputationen abgemüht haben, die lange Zeit unter der Bezeichnung „Nürnberger" bekannt waren. — Die Unterstützung armer Studenten durch Geld, Billette zu Freitischen u. s. w. ist über alles Lob erhaben. Sn erfüllte sich: „Wäre nicht Deine Lehre meine liebste Beschäftigung gewesen, ich wäre untergegangen in meinem Leide". Männer wie die Nürnberger Rabbiner hätten ihres Amtes nicht erfolgreich walten können, wenn nicht Geisteshelden ihnen vorgearbeitet hätten. Solche Geisteshelden — ich erinnere nur an Raschi — wirkten in Worms, das wir im Geiste jetzt betreten. Es ist im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts. Uber die altehrwürdige Gemeindesind viele Stürme dahingegangen. Die Zeiten der Sage von der holden Chriemhild, dem Recken Siegfried, dem grimmen Tronje Hagen, der streitbaren Brunhilde und der Nibelungen Not leben nur noch in der Erinnerung. Die alte Residenz ist jedoch immer noch mächtig, ein kräftiges Glied des rheinischen Städtebundes, ein Sitz gewerbreichew Tätigkeit und bürgerlichen Fleißes. Aber über ihre Juden sind schwere Zeiten gekommen. Die Wunden, die die- Greuel der Kreuzzüge geschlagen, sind vernarbt, aber