Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 68 (sequence 8)
- Language
- German
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Gerresheim, geopferten Märtyrer Mar Juda ben Abraham wird berichtet: „Wenn die Gemeinden nach Köln dreimal im Jahre zu den Messen kamen, da war er der Redner an der Spitze von allen in der Synagoge, alle hörten aufmerksam auf feine Reden. Selbst den Vorstehern der Gemeinden wehrte man, wenn sie ihre Angelegenheiten vortragen wollten und bat sie, zu schweigen, bis er seine Rede vollendet hatte. Was er sprach, war richtig und zuverlässig".") Die Juden, welche in der Mitte des 13. Jahrhunderts Nürnberg zum Wohnplatz erwählten, traten in ein blühendes bürgerliches Gemeinwesen ein. Sie fanden ein ergiebiges Arbeitsfeld und erfreuten sich des Schutzes der Behörden. Da konnte sich auch das jüdische Gemeinwesen entwickeln, und alle Institute desselben konnten zur Blüte gelangen. Zwei hervorragende Rabbiner standen an der Spitze der Gemeinde,15) die bereits einige Tausend Mitglieder zählte. Aus allen Teilen Deutschlands, ja aus Böhmen und Frankreich eilten wißbegierige Jünger zu den Meistern der Gesetzeskunde, die in scharfsinnigster Weise gelehrt wurde. Die schönsten Häuser am Markt und in dessen Nebenstraßen besaßen Juden. 1296 ward eine Synagoge eingeweiht, deren Bau und kostbare Einrichtung die allzeit bereite Opferfreudigkeit ermöglicht hatte.") Aber auch Lehrhäuser, Hospitäler, Bad- und Tanzhäuser gereichten der Gemeinde zur Zierde. 17) Wie gern und reichlich man gab, geht aus einer Liste hervor, in der die Spenden von 1280—1346 verzeichnet sind.1B) Da spendete man für die Synagoge Geld, Licht, Wachs, Becher, Vorhänge, Leuchter u. s. w„ Grund und Boden für den Friedhof und für Krankenhäuser, für elfteren eine steinerne Mauer, für letztere. Betten, Decken, Kessel, Erquickungen und Arzneien, für die Bibliothek Gesetzbücher, Talmuds, Übersetzungen. medizinische Bücher, Belehrungs- und Erbauungsschriften. Daß die Armen nicht zu kurz kamen, dafür bürgte der stets wohltätige Sinn unserer Glaubensgenossen. Stiftungen erstanden, die den Bedürftigen zu allen Festen Brot, Fleisch und Wein spendeten. Das Pessachsest kam