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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Welt und Haus des deutschen Juden im Mittelalter
Date
1920-01-01
Page
64 (sequence 4)
Language
German
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64 — weit war die Gegenwart vom Frieden entfernt! Der Dom zu Speyer war in jener Zeit, da das Königtum nicht nur gegen die partikularen Gewalten, sondern ganz besonders gegen innerkirchliche Opposition und päpstliche Hierarchie den schwersten Kampf zu bestehen hatte, ein Protest gegen Anmaßung, Uberhebung und Geistesknechtung. Freundlich entließ der Kaiser die Deputierten. Er hatte ihnen wertvolle Privilegien, die sie und ihren Beruf schützten, ihre Erwerbsquellen vermehrten, gegeben^). Gehoben gingen sie zurück in die Judenstadt, wo sie auch ferner zur Ehre Israels und zum Wohle der bürgerlichen Gesellschaft wirkten, in die sie 1084 ausgenommen waren b). Die Deputierten waren, wie andere Speyrer Juden, Flüchtlinge aus Mainz, die von dem Bischof Rüdiger, als er das Dorf Altspeyer zur Stadt zog, mit Freuden ausgenommen waren. Sie sollten den Glanz der Stadt und ihre Wohlfahrt erhöhen, wie das ihnen 1084 vom Bischof verliehene, 1090 von Heinrich IV. bestätigte Privileg ausdrücklich hervorhebt.4) Das haben sie redlich besorgt. Aber auch den Glanz des Judentums haben sie gemehrt und der seit einem Jahrhundert in Mainz gepflegten jüdischen Gelehrsamkeit eine neue Stätte gegründet. — Das jüdische Mainz stand damals noch in voller Blüte. Intelligente jüdische Kausleute trieben binnenländischen und überseeischen Handel und förderten den Aufschwung der Stadt. Das beweisen Funde aus dem Gebiet der ältesten Judenansiedlungen: Schmucksachen frühorientalischer Herkunft. Warenplomben, Skelette fremdländischer Tiere u. a.5) Auch Weinbau, Landwirtschaft und Handwerk wurden gepflegt. Die eingewanderte gelehrte Familie Kalonymos förderte jüdisches Wissen und mehrte den Ruhm der rheinischen Hochschulen. Ihr Werk setzte die gefeiertste Koryphäe jener Zeit, R. Gerschom, fort. Er gewann in den meist ruhigen Tagen der sächsischen Dynastie weitreichenden Einfluß, er organisierte die Gemeinde unb zeichnete eine neue Richtung in den abendländischen Verhältnissen vor. Der Mainzer Talmud-Akademie sicherte

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