Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 58 (sequence 33)
- Language
- German
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58 die Späteren erbaut und erhoben hat. Dieses Eintreten der heiligen Legende in den Hymnus ist denn auch eine eigentlich israelitische Erscheinung, für die es im Babylonischen und Ägyptischen kein Gegenstück gibt. Bezeichnend ist, daß das ständige Thema derartiger Hymnen die Pafsa-Geschichte ist: diese Erzählung galt als die bedeutsamste aus der ganzen Vergangenheit, und das Fest, an dem die begeistertsten Hymnen erklangen, wird das Passa gewesen sein. — Auch sonst gewahren wir zuweilen in den Lobliedern den Einstuß der Prophetie; so stießen in dem schönen Psalm 103 „Lobe den Herrn, meine Seele", Hymnen-Motive mit den tröstlichsten Gedanken der Heilsprophetie zusammen. — Immer geblieben aber ist im Hymnus die religiöse Naturbetrachtung, wofür der verwandte Psalm 104, der berühmte Schöpfungshymnus, das bekannteste Beispiel ist. Hier zeigt sich die Religion Israels in ihrem kraftvollen Optimismus, wonach die Welt gut ist und Gott ihr gnädiger und weiser Schöpfer, eineni Optimismus, der sich auch dadurch nicht irre machen läßt, daß es in dieser Schöpfung Frevler gibt, die dem Allmächtigen widerstreben. Zugleich aber ist für diese Naturbetrachtung bezeichnend, daß alles Naturgeschehen als unmittelbares Tun der Gottheit aufgefaßt wird: die Erscheinungen der Welt da draußen find seine „großen Wunder": der Blick verweilt dabei auf dem besonders auffallenden, dem Altertum unerklärlichen Geschehen. Auf der Höhe steht diese religiöse Naturbetrachtung in den majestätischen Hymnen des Buches Hiob. — Ebenso wie von Gottes Vergangenheit und Gegenwart redet der Hymnus auch von seiner Zukunft. Das Herz des Frommen jauchzt, wenn es der großen Zukunft gedenkt, da sich der Herr in seiner wahren Größe zeigt und den Weltenthron besteigt. Dabei wird zuweilen die Form gewählt, daß der Dichter sich in die Endzeit versetzt und das Große, Kommende als schon geschehen betrachtet. Diese außerordentlich eindrucksvolle Form haben die Psalmisten von den Propheten gelernt: Beispiele sind Psalm 45 und 149. — Selten und erst in verhältnismäßig später Zeit richtet sich die Begeisterung