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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 57

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Die Entstehung der Psalmen
Date
1920-01-01
Page
57 (sequence 32)
Language
German
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57 Vergangenheit. In den babylonischen und ägyptischen Gedichten dieser Art wird sehr häufig an Mythisches angespielt. Nun wissen wir, daß die Religion Israels, die von ältester Zeit her zum Monotheismus neigt und diesen je länger, je deutlicher ausgebildet hat, der Mythologie gegenüber im allgemeinen abweisend gegenübergestanden hat. Aber diese feindliche Haltung ist in der alten Zeit nicht so deutlich ausgeprägt gewesen, und besonders haben sich die Dichter diese wunderherrlichen Stoffe mit ihren gewaltigen Umrißen und brennenden * Farben nicht nehmen lassen. Daraus versteht man, daß auch im israelitischen Hymnus gelegentlich Nachklänge oder Anspielungen daran zu finden sind. So besingt Psalm 19 im ersten Teile die Herrlichkeit des Sonnenballs als eines jungen Helden, der fröhlich-strahlend aus dem Brautgemach hervortritt, und Psalm 89 erinnert an die alte Erzählung von dem guten und gnädigen Gott des fruchtbaren Landes, der einst die Herrschaft darüber dem wilden Ungetüm des Meeres abgenommen hat und sie noch jetzt gegen allen Ansturm der empörten Fluten aufrecht erhält: „Du bleibst Herr bei des Meeres Wermut, beim Tosen seiner Wellen, du bringst sie zur Ruhe. Du hast Rahab wie ein Aas zertreten, mit starkem Arm deine Feinde zerstreut". Besonders häufig tritt dabei der Schöpfungsmythus im Hymnus auf. Auch das kein Zufall; der Gedanke an die Schöpfungstat, welche die Allmacht des Gottes darstellt, ist ein Hauptthema der Hymnen, auch bei den andern Völkern. — In späterer Zeit ist dann der mythische Stoff immer blasser geworden und endlich ganz fortgefallen. Dafür ist als Ersatz die heilige Legende eingetreten. Wir haben eine ganze Reihe von Hymnen, die den Gott preisen, der Israel in der Vergangenheit geleitet hat, und den Stoff dafür den damals vorhandenen erzählenden Büchern, besonders ihren sagenhaften und legendarischen Bestandtellen entnehmen. Hier sehen wir also, wie der große Gedanke der Propheten, daß die Geschichte Israels ein Zusammenleben dieses Gottes und dieses Volkes ist.

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