Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 56

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Die Entstehung der Psalmen
Date
1920-01-01
Page
56 (sequence 31)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111112-3115042--6130-3115112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 56 hat das Preisen natürlich auch für den Singenden einen hohen Wert. Der religiöse Gedanke wird stark, wenn er machtvoll ausgesprochen wird; dann wird der Einzelne mit fortgerissen von der allgemeinen Begeisterung. Aber über diese subjektive Seite der Sache denkt man wenig oder garnicht nach; man singt den Hymnus für Gott allein. Dieser Hymnus hat nun in Israel die schönsten Blüten gezeitigt. Die babylonischen und ägyptischen Lobpreisungen enthalten zu ihrem größten Teile gewöhnlich immerwiederholte, leblose Götterprädikate. Auch die biblischen Hymnen sind, sowohl künstlerisch wie religiös betrachtet, durchaus nicht alle gleich wertvoll: der Psalter enthält matte, ausgeleierte Loblieder genug. Aber daneben doch nicht wenige, die sich durch ihr inneres, persönliches Leben und besonders ihre majestätische Gewalt auszeichnen und dadurch himmelhoch überdasmeiste Altorientalische erheben: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", „Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest". Solche Erzeugnisse zeigen uns, daß Israel das Höchste hervorgebracht hat, was es überhaupt im alten Morgenlande gegeben hat, nämlich die große Persönlichkeit, die sich über die herkömmliche Gattung erhebt und sie mit ihrem eigenen Leben durchdringt. Diese Erscheinung ist bei den anderen Psalmengattungen und besonders in der Prophetie noch deutlicher zu erkennen. Aus dem Vorhergehenden folgt, daß im Hymnus die objektive Seite der Religion hervortritt: er handelt von Gott, seinen Taten und Eigenschaften. Er schildert ihn besonders als den Unvergleichlichen: unter den Göttern kann sich ihm keiner gleichstellen an Helligkeit, Macht und Gnade! — Dabei sind beständige Themata der Hymnen zunächst seine herrliche Wohnung im Himmel, woraus der Anschauung deutlich wird, daß er der höchste Gott ist: übrigens ein häufiger Hymnengedanke auch im Babylonischen. — Sodann seine furchtbare Erscheinung in Sturm und Wetter, in Feuer und Erdbeben: ein uralter Hymnenstoff Israels, der schon im Debora- Liede widerklingt und aus der Mose-Offenbarung stammen wird. — Besonders seine herrlichen Taten in der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.