Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 54 (sequence 29)
- Language
- German
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54 — Einige Gedichte find von diesem Stil ganz beherrscht und beginnen, wie z. B. Ps. 104 und 136, jeden neuen Teil mit einem solchen Partizipium. Solche Aufzählung der Taten und Eigenschaften der Gottheit in dieser oder ähnlichen Formen ist auch in babylonischen und ägyptischen Hymnen sehr häufig gewesen und ist ein besonders deutlicher Einzelbeweis für den allgemeinen Vorgang, dafi Israel auch in seiner religiösen Dichtung in die Kunstübung der älteren Völker eingetreten ist. Zu den mitgeteilten Formen kommt dann noch die Vorliebe für die rhetorischen Fragen, die der Begeisterung des Dichters für seinen Gott Ausdruck geben: „wer ist wie der Herr unter den Göttern?" und besonders die vielen Sätze, in denen „der Herr" Subjekt ist, also Sätze wie: „Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld".— „Der Herr ist gerecht auf all seinen Wegen und gnädig in all seinen Taten".— „Der Herr tötet und macht lebendig, stürzt zur Unterwelt und führet herauf". In Sätzen dieser Art werden Gottes Eigenschaften, sein regelmäßiges Tun oder auch seine Taten in der Vergangenheit oder in der Zukunft beschrieben; solche Worte auszusprechen heißt „den Namen des Herrn preisen". Eine so ausführliche Beobachtung gerade der Formen mag vielleicht manchem Leser als ein zu äußerliches Werk erscheinen; aber wir gewinnen eben dadurch untrügliche Maßstäbe, an denen wir die Gattung festzustellen vermögen. So können wir nun dazu sortschreiten, alle die einzelnen Stücke, die dazu gehören, zusammenzustellen, und erhalten so die Zusammenhänge, um das Einzelne, das an seinem Orte fraglich sein mag, sicher zu verstehen. Das Ziel der ganzen Arbeit muß dann sein, den gesamten Bereich des hebräischen Hymnus und seine Geschichte zu übersehen. Wir überschlagen hier die Einzelarbeit und geben zum Schlüße noch eine kurze Darstellung des letzten Gesamtbildes. Die Grundstimmungen des Hymnus sind Begeisterung, Anbetung, Verehrung, Lob und Preis. Das