Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 52 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111112-3115042--6126-3115108- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 zu denen eine entwickeltere Kunst gegriffen hat. Dahirr gehört es z. 33., wenn Psalm 8 einsetzt: „Herr, unser Gott, wie herrlich ist dein Name", womit fich der Dichter über den gewöhnlicheren Anfang, der hier etwa sagen würde: „preiset den Herrn, unseru Gott, denn sein Name ist herrlich", erhebt. Oder der Dichter des gewaltigen ersten Teils von Psalm 19 beginn t „Die Himmel verkünden Gottes Herrlichkeit": eine Ueberbietung des üblichen Ausdrucks, der die Himmel zur Verkündigung aufsordert. . Sehr häufig ist es auch, daß der Hymnus im ersten Satze von der ersten Person redet: „Des Herren Gnaden will ich ewig besingen", oder: „Ich will jubeln und jauchzen über dich, will deinem Namen, Höchster, spielen"; wie es schon im Debora-Liede heißt: »Ich dem Herren, ich will singen, will spielen dem Herren, Israels Gott". Offenbar ist es eine andere Form der Ausführung, aus der diese Redeweise hervorgegangen ist. Handelt es sich dort um einen Chorgesang, so hier um das Solo eines einzelnen Sängers. Auch im Babylonischen muß diese Kultussitte bestanden haben; ein babylonischer Psalm beginnt: „Ich will preisen den Kämpen der Götter". Eine schöne Abwandlung des gewöhnlichen Kohortativs ist die'Eingangsform des bekannten Psalm 103: „Benedeie, meine Seele, den Herrn, und alles in mir seinen heiligen Namen! Benedeie, meine Seele, den Herrn und vergiß all seine Wohltaten nicht!" Ganz eigentümlich setzt auch das Lied der Hanna ein: „Mein Herz jauchzt über den Herrn, hoch ragt mein Herr durch meinen Gott. Weit tut sich mein Mund wider meine Feinde auf, denn ich frohlocke über seine Hilfe": such dies eine Abwandelung der geläufigen Solo-Einführung, bei der an die Stelle der Selbstaufforderung die Beschreibung der Freude des Psalmisten getreten ist.