Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 48

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Die Entstehung der Psalmen
Date
1920-01-01
Page
48 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3111067-3111112-3115042--6122-3115104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

48 — und ihm das Mahl an der Königstafel würzt, so gehören auch im Gottesdienst Opfer und Hymnen zusammen. Um eine solche Szene deutlich zu machen, erinnern wir nochmals an die schon einmal von uns angeführte Beschreibung eines Gottesdienstes am Schluß des Buches Jesus Sirach. Da wird uns anschaulich geschildert, wie der Hohepriester am großen Versöhnungstage, nachdem er seines Amtes im Allerheiligsten gewaltet hat, hinter dem Vorhang heraustritt, dann die prachtvollen Priestergewänder antut und rings von seinen Söhnen, den jungen Prinzen, Jraels Hoffnung, umgeben, hoch oben auf dem Umgang des Altars stehend, die Opferstücke ins Feuer wirft und den Wein des Trankopfers ausschüttet. Dazu aber erschallt die feierliche Tempelmusik: die Priester posaunen mit ihren Hörnern, und schweigend werfen sich alle Laien vor dem Höchsten nieder. „Da ließen die Sänger ihre Stimme vernehmen und zur Musik lieblichen Jubel erklingen, uud es jubelte das ganze Laienvolk im Gebet vor dem Erbarmer." Aus dieser Schilderung folgt, daß den Gottesdienst des Versöhnungstages Musik und Gesang zu beschließen pflegt — es folgt dann nur noch der Priestersegen —, wobei zuerst die Priester mit chrem Hörnerschall, dann die Sänger mit Musikbegleitung auftreten, bis dann zuletzt ein allgemeiner Choral erschallt. Gottesdienstliche Szenen dieser Art haben wir uns also vor Augen zu stellen, wenn wir die Hymnen des Psalters lesen. Nun sind uns derartige Lieder so viele überliefert, und sie stimmen so stark in der Formensprache mit einander überein, daß wir den Stil der hebräischen Hymnen aufs allergenaueste kennen lernen. Grundform und Urzelle der ganzen Dichtungsart ist das Juden und Christen gleichermaßen wohlbekannte „Halleluja", d. h. Preiset den Herrn! Das Wort stellt, literaturgeschichtlich betrachtet, einen „Ruf" dar. Solche „Rufe" versetzen uns in die allerältesten Tage der Menschheit, in eine Zeit vor der Entwickelung eigentlicher Kunst der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.