Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 44 (sequence 19)
- Language
- German
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— 44 — Bekannt, geboten, dreimal im Jahre nach Jerusalem zu pilgern. Natürlich war es, daß solche Reisen bei der Unsicherheit der Wege von Dörfern, Städten, Gauen gemeinsam unternommen wurden, — man denke an die jährliche Wallfahrt des Islam nach Mekka, zu der sich z. B. der Pilgerzug der ägyptischen Gläubigen an bestimmtem Ort zusammenzufinden pflegt. Natürlich war es auch, daß man, um sich den langen Weg zu kürzen und zu verschönern, auf dem Marsche sang. Der Prophet erinnert gelegentlich an solches Wallfahrtslied: »Das Lied soll erschallen wie in der Nacht der Festesweihe und Herzensjauchzen wie des Wallfahrers zum Flötenspiel, zu kommen zum Berge des Herrn, zuyi Felsen Israels." An dieser Stelle wird zugleich an Lieder angespielt, die in der Nacht der Festesweihe gesungen worden sind. In solcher Vornacht hat man gewisse Handlungen vollzogen, das Fest einzuweihen, und dabei Jubellieder gesungen; der Christ denkt dabei an die schönen Weihnachtslieder. Ein Lied, zu einer derartigen nächtlichen Feier gesungen, besitzen wir noch in den ersten Versen -von Psalm 134: »Preiset den Herrn, alle Diener der Herrn, die ihr nächtens in des Herren Hause steht! Erhebet die Hände zum Heiligtum und preiset den Herrn!" Dem gegenwärtigen Leser fällt dabei auf, wie eigentümlich kurz ein solches Gedicht ist. Aber auch andere Chorgesänge sind im Alten Testament häufig so wenig umfangreich; die ältesten Volkslieder Israels, z. B. dasjenige, das die Frauen über Saul und David gesungen haben, sind nicht länger. Dieser knappe Raum, in dem sich das Lied bewegt, entspricht der geringen Aufnahmefähigkeit urtümlicher Völker. Erst die Dichtung der einzelnen Sänger, von der wir im folgenden gelegentlich reden werden, hat größere Gebilde hervorgebracht. Das Ergebnis des Vorhergehenden ist also dieses: auch in Israel finden sich eine Menge Spuren davon, daß