Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 43 (sequence 18)
- Language
- German
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43 Ein solches Lied ist vorzustellen, von der Volksmenge unter brausendem Jubel gesungen, wenn sie die Borhöfe betritt. Dahei werden dann diejenigen körperlichen Bewegungen vollzogen, von denen der Text sagt; jedesmal« wenn wieder eine neue Schar durch das Tor einzieht und nun die herrliche, festlich geschmückte Stirnseite des heiligen Gebäudes ihrem Blicke entgegen tritt, dann erdröhnt der Gesang aufs neue, der dem erhabenen Gott zujauchzt, und immer wieder falle« sie nieder, beugen fich und knien! Und unter dem Bilde einer solchen, alle Herzen entflammenden Einzugsfeier stellt sich auch der Prophet den Jubel der letzten Zeit vor: wenn einst die große Tat Gottes getan ist, wenn der letzte Schlag gefallen und der Zwingherr, vom Höchsten selber getroffen, am Boden liegt, dann wird ein Fest gefeiert werden, wie es Israel noch nicht gesehen hat! Dann wird das befreite und gereinigte Volk zum Tempel strömen, und dann wird man singen: «Offnet die Tore, daß einziehe ein gerechtes Volk, das die Treue wahrt". (Jes. 26 z). Der Psalmist beschreibt es. wie erhebend das Mitfeiern einer solchen Prozession schon in dieser trüben Gegenwart sein kann: «Wie ich dahinzog zur Hütte deS Herrlichen'), zum Harste des Herrn, mit lautem Jubeln und Danken, dem feiernden Getöse." Denn gewaltig lärmvoll sind solche Feste begangen worden. Da sprangen und tanzten die Menschen in ihrer Herzensfreude, und rauschende Musik erscholl dazur Flöte, Harfe und Zither gaben die Melodie an, deren Töne von allen Stimmen zugleich erklang — „Polyphonie" ist dem Morgenlande unbekannt —, und der gellende Schall der Zymbeln schlug dazu den Takt. Wallfahrten zum Heiligtum haben in alter Zeit einmal eine große Rolle gespielt; im Gesetz wird, wie ') 'addirim.