Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 41 (sequence 16)
- Language
- German
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41 wesen, der sich so der Herrlichkeit seines Gottes und der Einheit seines Volkes mit Freuden bewußt wird. Derartige Lieder, die zu bestimmten gottesdienstlichen Gelegenheiten gehören, dürfen wir mit dem Namen „Kultuslieder" bezeichnen. Wir finden Reste dieser ältesten Kultusdichtung an manchen Stellen des Alten Testaments, auch noch unter den Psalmen; andere Gedichte haben wir als Aufnahmen und Nachahmungen alter Kultusgesänge aufzufassen. Beachten wir zunächst die uralten „Laden-Sprüche", bei denen uns die zugehörige Handlung noch mitgeteilt wird. Wenn die heilige Truhe, auf der nach ältestem Glauben die Gottheit selber thronend gedacht wurde, von ihrem Standort des Morgens emporgehoben wurde, um dem Volke voraus in die Schlacht zu ziehen, so sang man: „Erhebe dich, Herr, daß deine Feinde zerstieben und deine Hasser vor dir fliehen"! Des Abends aber, wenn sich das Heer zur Ruhe begab, erhielten auch die Lade und der Gott auf ihr ihren Ruheplatz; dann sang man (nach berichtigtem Textes: „Setze dich nieder, Herr, im Lager der Geschlechter Israels!" - An solchen Worten kann man sich die Art des ältesten Kultusliedes deutlich machen: diese Sprüche gehören mit den Handlungen des Aufnehmens und Niederlafiens des heiligen Sinnbilds aufs engste zusammen; wird die Handlung vorgenommen, so stellt sich auch das Wort notwendig ein; aber nur, wenn man diese vollzieht, ist es am Platze; das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Bei einem zweiten Ladengedichte Psalm 24? ff. ist die Handlung zwar nicht ausdrücklich bezeugt, kann aber von uns noch erschlossen werden. Zuweilen verließ die Lade ihre gewöhnliche Stätte auf dem Zion, um dann nach einiger Zeit dorthin zurückgesührt zu werden. War aber dann der Festchor, der das Heiligtum mit sich führte, vor die altersgrauen Tore des Tempels *) Kleinere Textänderungen geben wir im folgenden nicht ausdrücklich an.