Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 39 (sequence 14)
- Language
- German
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39 sondern bei den gottesdienstlichen Formularen einzusetzen haben. Wollen wir nun weiter kommen, so müssen wir uns in den ältesten Gottesdienst Israels vertiefen und besonders diejenigen Stellen an ihm betrachten, an denen ein Lied gesungen worden ist. Der israelitische Gottesdienst besteht ebenso wie derjenige aller anderen Völker des Altertums aus allerlei Handlungen, welche die Menschen für Gott oder in Gottes Namen vollziehen. Da versammelt sich etwa die Gemeinde am festlichen Tage und zieht dann im altüberlieferten Tanzschritt durch die Vorhöfe des Heiligtums. Oder sie kommt in Zeiten der Not, bei Feindesbedrängnis, Hungersnot, Pestilenz an der heiligen Stätte zusammen, um vor Jahve zu fasten und zu beten. Daneben gibt es eine Menge von Zeremonien privater Art. Der Büßer erscheint vor Gott, um bei ihm -Löhnung seiner Sünde und Heilung seiner Krankheit zu finden. Der Gerettete bringt dem Gott, der ihm in der Not, etwa aus der Gefangenschaft, auf gefährlicher Reise, in der Krankheit, geholfen hat, aus vollem Herzen sein Dankopser dar. Nun wird uns aus zahlreichen Stellen des Alten Testaments deutlich, daß mit solchen Handlungen ganz gewöhnlich das Aussprechen heiliger, altüberlieferter Worte verbunden war. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel einer solchen Verbindung von Wort und Handlung ist der Priestersegen, dessen genauen Vollzug uns das Buch Jesus Sirach beschreibt. Am Schluß des Gottesdienstes steigt der Priester vom Altäre herunter, erhebt seine Hände über die ganze Gemeinde und spricht dazu die uns allen vertrauten Worte: „Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr lasse sein Antlitz leuchten über dir und sei dir gnädig! Der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und gebe dir Frieden!" Im fünften Buche des Gesetzes werden die Worte angeführt, die derjenige aussprechen soll, der die Erstlinge oder die vorgeschriebenen Zehnten am Tempel abliesert.