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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 37

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Die Entstehung der Psalmen
Date
1920-01-01
Page
37 (sequence 12)
Language
German
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37 übersehen, werden wir die Fehler vermeiden können, die man bisher bei der Deutung des Einzelnen begangen hat. Der Leser wird nicht erwarten, daß ihm diese ungeheure Geschichte und die .vielverschlungenen Wege, die sie gewiß gegangen ist, in dem engen Raum eines Aufsatzes vor Augen geführt werden. Es muß genügen, einen Punkt aus dem Ganzen herauszugreifen. Was aber soll das sein? Was anders als der Hauptpunkt, der bereits in der llberschrift angegeben ist, und auf den freilich alles ankommt, d. h. die Entstehung dieser Lieder. Wir folgen dabei wiederum einem allgemein anerkannten wissenschaftlichen Grundsatz, nämlich dem, daß der Forscher, der eine geschichtliche Erscheinung zu begreifen wünscht, zunächst ihre Urgeschichte aufzuhellen hat. Von der besonderen Art, wie er den Ursprung der Dinge betrachtet, wird dann auch das Urteil über diese selber abhängig sein. So werden wir denn auch im folgenden von der Entstehung der Psalmen ganz von selber zu ihrer weiteren Geschichte geführt werden und zum Schluß wenigstens eine Probe auch davon geben. Aber wo ist der Ursprung der Psalmen zu suchen? Das ist die Frage aller Fragen, ohne deren Beantwortung es kein Eindringen in den Psalter geben kann. Wir wissen, daß diese Gedichte in späteren Zeiten im Gottesdienst Israels aufgeführt worden sind. Dasselbe steht für die babylonischen Gegenstücke fest. Noch gegenwärtig haben die biblischen Lieder in der Synagoge und in der Form von Übersetzungen und Nachdichtungen in den christlichen Kirchen ihre Stätte. So dürfen wir sofort die Vermutung wagen, daß die Psalmen irgendwie dem Gottesdienste entstammen. Das ist zunächst eine „Arbeitshypothese", d. h. eine Hypothese, die wir aufftellen, weil sie uns für unsere Forschung nützlich erscheint, und die wir freilich aufzugeben bereit sein müßten, falls wir beim Fortgang der Arbeit entgegenstehende Erscheinungen gewahren würden. Nun wird diese Vermutung sofort durch eine Beobach, tung bestätigt, die den einfachen Bibelleser vielleicht

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