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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 36

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Die Entstehung der Psalmen
Date
1920-01-01
Page
36 (sequence 11)
Language
German
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36 die weit über hebräisches Sprachgebiet herausführen und den meisten Bibelforschern daher mehr als unbequem find, in der letzten Zeit nicht recht vorwärts kommen wollen. Auf die Dauer aber kann die Rücksicht auf die Bequemlichkeit nicht vorherrschen; und auch die kleinmütigen, verzagten Gedanken müssen überwunden werden. Denn schließlich ist es doch nur ein seiner selbst unsicherer Halbglaube, der sich vor der Wissenschaft fürchtet. Wer im Ernste der Überzeugung ist, daß Israels Religion den heidnischen überlegen ist, braucht doch einen Vergleich israelitischerund heidnischer Stoffe nicht zu scheuen, sondern wird von vornherein des Glaubens leben, jede verständige Vergleichung mit der Fremde werde nur die eigentümliche Hoheit des Biblischen Herausstellen. Und nun gibt es allerdings eine außerordentlich reich entwickelte Kultusdichtung sowohl bei den Babyloniern wie bei den Ägyptern, die vielfach eine mehr als oberflächliche Berührung mit den Psalmen der Bibel aufweisen. Möge uns die Zukunft diese verschollene Dichtung immer deutlicher vor Augen stellen, und mögen die Bibelforscher sich der daraus ergebenden Aufgabe würdig erweisen, das Verhältnis des Psalters zu den fremden Schrifttümern festzustellen! Durch die vorgetragenen.Beobachtungen ist das Bild gewaltig erweitert worden. Wir haben es jetzt nicht mehr nur mit einem biblischen Buche zu tun, geschweige denn mit einem einzelnen Psalm; sondern es ist uns jetzt zu Mute wie demjenigen, der aus der Niederung emporgestiegen ist und einen hohen Berg erklommen hat. Wir schauen, wenn auch nur von ferne, ein großes, weites Land zu unseren Füßen. Unser Blick gewahrt eine ganze, weitverzweigte Dichtungsart, die sich über das gesamte alte Morgenland und über mehr als zwei Jahrtausende erstreckt. Damit hat sich aber auch das Ziel der Forschung entscheidend verschoben. Die Aufgabe ist jetzt nicht mehr nur diese, das einzelne Gedicht zu erklären, sondern die Dichtungsart und die Gesamtgeschichte, die fie erlebt hat, zu beschreiben. Und erst dann, wenn wir diese großen Zusammenhänge, wenigstens zu einem gewissen Teil,

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