Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 35 (sequence 10)
- Language
- German
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36 — „Apokryphen", d. h. die in der griechischen Bibel erhaltenen Schriften, die, zwar aus spätererLeit stammend, dennoch zumeist ursprünglich hebräisch geschrieben worden And, wie sich denn große Stücke des Jesus Sirach vor kurzem in der hebräischen Urschrift wieder gefunden haben. Ob diese Schriften denen des Kanons gleichwert sind oder nicht, darauf kommt es uns in diesem Zusammenhangs nicht an; wir fragen hier nur, ob sie ihnen verwandt sind und uns für ihre Erklärung Aufschlüsse zu .gewähren vermögen. Nun finden wir auch in den Apokryphen psalmenähnliche Dichtungen genug; da sind die Lieder der Judith, des Tobia und der „drei Männer im feurigen Ofen", sodann das Gebet des Manasse, ferner lyrische Zwischensätze im 1. Makkabäer-Buche und besonders eine Fülle mannigfaltiger Anklänge an Psalmen in den Spruchsammlungen des Jesus Sirach. Ja, darüber hinaus besitzen wir noch eine ganze Psalmen- Sammlung aus der Zeit des Pompejus, die sogenannten .„Psalmen Salomos", gleichfalls einst hebräisch geschrieben und uns in griechischer und syrischer Übersetzung überliefert. Aus diesen späteren Erzeugnissen können wir uns also ein Bild davon machen, welche Wege die Psalmendichtung zum Schluß gewandelt hat. Kein Forscher, der unter den biblischen Psalmen einige oder vielleicht gar sehr viele für makkabäisch hält, dürfte an diesen Gedichten vorübergehen! Aber auch hiermit ist noch nicht alles gesagt. Eine Forschung, die es wahrhaft ist, kennt in ihrem Triebe, zu den letzten Erkenntniffen hindurch zu dringen, keine Schranken, auch solche nicht, vor denen sonst das Denken mancher Zeitgenossen scheu stehen bleibt. Seit einigen Jahrzehnten rst es uns in steigendem Maße deutlich geworden, daß Israel in älterer Zeit nicht — wie man es sich ftüher vorgestellt hatte — wie auf einsamer Insel im Meere der Völker gelebt, sondern daß es mannigfache Einflüsse von ihnen erfahren hat. Es war begreiflich, daß viele bei der ersten Kunde von diesen neuen Erkenntniffen erschraken und dabei die Würde der Bibel bedroht glaubten. Auch haben diese Forschungen, 3*