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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 34

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Die Entstehung der Psalmen
Date
1920-01-01
Page
34 (sequence 9)
Language
German
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— 34 — empfänglichen Volke zu tun hatten, auf das sie mit keinem anderen Mittel so tief einwirken konnten, als indem fie ihre Gedanken in lyrische Formen kleideten. So finden sich denn auch bei ihnen-die mannigfaltigsten Berührungen mit den Psalmen. Wollen sie etwa der Klage ihres Volkes in seiner gegenwärtigen Not einen die Herzen treffenden Ausdruck geben, dann stimmen sie „Klagelieder" an nach dem Muster derer, die sonst die Gemeinde zu singen pflegte, von denen uns der Psalter noch einige Beispiele aufbewahrt hat. Oder wenn ihre Seele von dem Großen voll ist, das Gott einst an Israel tun wird, dann singen sie im Tone der „Hymnen" ihres Volkes ein Lied, das die Gemeinde einst erschallen lassen wird, wenn sie, von aller Drangsal befreit, das wundervolle Jubelfest feiert. Besonders hat der tiefe und zarte Jeremias sein übervolles Herz mit allen seinen Schmerzen und Hoffnungen in ergreifenden Liedern ergoffen, die in den prophetischen Schriften zunächst ganz einzigartig dazustehen scheinen, die aber, besonders in ihrer Formensprache sofort klar werden, wenn wir sie mit den „Klageliedern des Einzelnen" im Psalter vergleichen. — „Klagelieder" finden sich ferner auch im biblischen Buche der „Klagelieder"; es sind Kapitel 3 und 5, während die übrigen Stücke zu einer anderen, nicht im Psalter vertretenen Gattung, nämlich zu derjenigen der „Leichenlieder", gehören. — Sodann haben es die Zusammensteller der geschichtlichen Bücher geliebt, an passenden Stellen den in der Erzählung auftretenden Personen Lieder in den Mund zu legen: so sind aus uns gekommen das „Meerlied" der Miriam und des Mose, die Psalmen der Hanna, des Hiskia, des Jona; alle diese Gedichte würden nicht aussallen, wenn sie im Psalter stünden. Aber wir dürfen nicht an den Schranken des hebräischen Kanons stehen bleiben. Es würde eine verhängnisvolle Einseitigkeit sein, wenn die Erforschung des alten Israel sich nur an diejenigen Schriften halten würde, die uns, mehr oder weniger zufällig, in hebräischer Sprache zugekommen sind. Vielmehr bieten uns für unsere Zwecke einen besonders reichen Stoff die sogenannten

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