Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Die Entstehung der Psalmen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 33 (sequence 8)
- Language
- German
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33 Dichtung für selbstverständlich halten wurden — das Ich des einzelnen Dichters, sondern das personifizierte Israel, die „Gemeinde"! Obwohl doch dies über allen Zweifel hinaus klar sein sollte, daß manche dieser Gedichte offenkundig mit dem persönlichsten Leben erfüllt, ja, mit dem Herzblut ihrer Verfasser geschrieben sind. Wie können wir nun diesem Wirrwar entrinnen? Wo sind die Mittel, die Psalmenforschung endlich aus einen festen Boden zu stellen? Das ist die Frage, die in diesem Aufsatz behandelt werden soll. Es ist ein Gesetz aller geschichtlichen Wissenschaft, daß nichts ohne seinen eingeborenen Zusammenhang verstanden werden kann. Weil die Forschung dieses grundlegende Gesetz nicht genügend beachtet hat, hat sie bisher in den Psalmen kein besseres Ergebnis zu erzielen vermocht. Denn der einzelne Psalm, ohne Zusammenhang für sich genommen, wird immer unverständlich bleiben. Demnach wird eine methodische Forschung versuchen, diesen Mangel auszugleichen und zunächst erst einmal alle diejenigen Gedichte zusammenzustellen, die mit den Psalmen irgendwie verwandt sind, aber sich in der Bibel außerhalb des Psalters befinden. Deren ist nun, wie schon ein oberflächlicher Blick lehrt und tieferes Eindringen immer deutlicher macht, eine außerordentlich große Zahl. So hat der Dichter des Hiob nicht selten Anleihen bei der religiösen Lyrik gemacht: will er seinen ungeheuren -schmerz darstellen, so ergeht er sich in „Klageliedern", die denen des Psalters in Form und Inhalt ähnlich sind, und will er Gottes majestätische Hoheit preisen, so singt er „Hymnen", denjenigen vergleichbar, die wir in den Psalmen lesen. — Vor allem hat die Prophetie, obwohl sie ihrem ursprünglichsten Wesen nach mit der Lyrik nichts gemein hat, dennoch aus einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung die Psalmendichtung nachgeahmt, so daß bei ihren letzten, besonders den exilischen und nachexilischen Vertretern, Prophetie und religiöse Lyrik geradezu in eins getreten sind. Solches Vorgehen der Propheten aber erklärt sich daraus, daß sie es offenbar mit einem poetisch in hohem Grade Jahrbuch ISA) g