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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1920-01-01 · 23 (1920) · p. 28

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
23 (1920)
Article
Die Entstehung der Psalmen
Date
1920-01-01
Page
28 (sequence 3)
Language
German
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28 Hanges, der Logik, des gesunden Geschmacks verstoßen, für deren Heilung wir aber kein anderes Mittel besitzen -als unsere Vermutung. Es ist ein jüdischer Gelehrter, Graetz, der das Verdienst hat, nach Olshausens Vorgang als erster die Größe dieses Schadens erkannt zu haben, mag er auch an noch so viel Stellen im einzelnen geirrt haben. Denn in solchen Fällen kommt es nicht darauf an, durch eine erkünstelte, scheinbar tiefsinnige oder geistreich schillernde Erklärung irgend welchen Sinn zu -gewinnen, sondern zunächst einmal aufrichtig und wahrhaftig die Unmöglichkeit der Deutung des Überlieferten zuzugeben und dann unter genauester Beobachtung des Zusammenhanges, der Parallelen, der möglichen Fehlerquellen eine „Konjektur" zu wagen. Schon jetzt können wir auf eine große Fülle von glücklichen Heilungen solcher Textschäden Hinweisen. Aber auch hierin ist noch sehr vieles zu tun; und wir dürfen uns keiner Täuschung darüber hingeben, daß Vermutungen dieser Art mehr oder weniger subjektiv bleiben, und daß sich die Aufgabe daher stets nur annähernd wird lösen lassen. Wichtiger aber als dies ist, daß die Psalmen bisher immer noch nicht im eigentlichen Sinne geschichtlich erklärt worden sind. Das ist ein Urteil, das denjenigen, dem die wissenschaftliche Arbeit am Alten Testament weniger vertraut ist, vielleicht verwundern wird. Wie leicht scheint es zu sein, etwa ein Lied wie das schöne Gedicht „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln", zu verstehen! Wie manche fromme Seele hat in froh bewegter Stunde aus dankbarem Herzen gesprochen: „Lobe den Herrn, meine Seele, alles in mir seinen heiligen Namen", ohne in solchem Liede irgend welche Schwierigkeiten zu empfinden! Aber dies unbefangene, «infach fromme Verstehen eines solchen Gedichtes ist ein anderes als das wissenschaftliche Verständnis. Der Laie, der die biblischen Texte zu seiner Erbauung liest, trägt dabei sich selber, das Empfinden seines eigenen Herzens und seiner Zeit ohne weiteres in sie hinein und deutet die alten Schriften unbefangen so, wie wenn sie für ihn selber bestimmt wären. Er hält sich an das, was ihm

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