Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Versöhnungstag
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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252 zur Buße seine Brust, bekannte Sünden, die er nicht begangen hatte, versprach Opfer, die nur Sinnbilder der Sühne waren. Und in dieser fremden Welt, von der Wirklichkeit ganz abgetrennt, fand er etwas von dem verlorenen Gleichgewicht zurück, von der Gewißheit, daß seine Handlungsweise die richtige gewesen sei. Das richtete ihn in seiner körperlichen Schwäche auf. Er war sehr matt, als er sich zurücklehnte, um die zweite Predigt anzuhören, aber nicht mehr so arg mit sich selbst im Streite. Warum rüttelte der Prediger dann wieder an der mühselig errungenen Selbstbeschwichtigung, zielte mit zürnenden und vorwurfsvollen Worten, als habe er es eigens auf Herrn Rosenberg und seine inneren Konflikte abgesehen. Er tadelte die Art, sich mit Gott abzufinden, gewissermaßen mit ihin Abrechnung zu halten. „Wir schenken dir vierundzwanzig Stunden unserer Zeit, du gewährst uns dafür deinen Schutz für die Dauer eines Jahres." Diese Eintagsandacht habe von der Frömmigkeit nichts als die äußere Geberde. Um sie echt zu machen, bedürfe es eines in allen Einzelheiten gottgeweihten Lebens. Er erinnerte seine Gemeinde an das Buch Jesaja, in dem beschrieben steht, wie auch damals die Juden sich chrer Kasteiungen rühmten, und wie der Herr ihnen den Weg zum wahren Fasten zeigte. „Dem Hungrigen zu spenden, Gebeugte aufzurichten, die Missetat der Selbstsucht meiden. Das sind die Dienste, die mir wohlgefällig sind." Es war ein Gegensatz zwischen diesen Mahnungen zur Güte und des Redners heftigem Gebaren. Er lief auf der Kanzel hin und her, schlug auf die Polster, bog den Körper weit über die Brüstung vor. Nun lenkte er in eine sanftere Tonart ein. Er fragte: „Seid Ihr eingedenk des feierlichen Augenblicks, von dem es heute morgen hieß, das in ihm das Schick-