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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 251

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Versöhnungstag
Date
1911-01-01
Page
Seite 251 (sequence 43)
Language
German
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251 als Stiftung seiner Kindesliebe seitlich von der Bundeslade glühten, bis chre Helligkeiten ihn wie aus einem Nebel grüßten, in eins verschwommen, sich wieder teilten . . . . . . Nein! . . . Er machte eine Anstrengung, um die Erscheinung zu verscheuchen . . . Aber es wich nicht, das schreckliche Phantom . . . Einen dritten Schein sah er zwischen den zwei anderen glimmen . . . den Lichtschein einer Kerze, die noch nicht herabgeschmolzen war ... die schlank und gerade aufwuchs, wie die Glieder seines jungen Sohnes . . . Und jetzt — das Entsetzen preßte ihm mit harter Faust das Herz zusammen — hatte er es den Prediger nicht sagen hören? ..... ganz leise .... und doch so unentrinnbar deutlich? . . . „Gedenket in Liebe unseres dahingegangenen Mitbruders Felix Rosenberg." Er wußte, daß ihn die aufgeregten Sinne täuschten . . . Und blinzelte doch scheu zu seiner Frau hinauf. Hat der Hauch des Jenseits auch ihr Ohr gestreift? Ist auch ihr zwischen den Seelenlichten das Schreckgespenst der Zukunft aufgetaucht? Die Erfüllung ihrer eigenen Prophezeiung: „Und wenn es morgen schon zu spät ist?" Die Stimmung verflachte nach der Beendigung der Totenfeier. Von den jungen Leuten, die noch keine Angehörigen verloren hatten, kamen die meisten nicht zurück. Andere entfernten sich, nachdem sie der Pflicht der Pietät genug getan. Das Gemurmel der Gemeinde schwoll nicht mehr zur gleichen Stärke an. Und der fromme Eifer Herrn Rosenbergs wurde sehr bemerkt, da er selbst in dieser vorgerückten Stunde zu keinem Privatgespräch zu haben war. Er rettete sich in die Andacht wie in ein Asyl, in das ihm die grübelnden Gedanken nicht folgen konnten. Alle Vorschriften des Vespergebets hielt er ein, schlug

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