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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 248

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Versöhnungstag
Date
1911-01-01
Page
Seite 248 (sequence 40)
Language
German
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248 Barmherzigkeit; und daß die Gnade seiner Vorsehung sich auch über das geringste Tier erstrecke. Noch eingewiegt von dem Ton der ost gehörten Worte, gab sich Herr Rosenberg nicht sofort Rechenschaft über das was mit ihm vorgegangen war. Allmählich erst ordnete sich seine Verworrenheit. Die Erinnerung erwachte und rührte eine namenlose Empörung in chm auf. Das also war das Ergebnis seines Lebens. Das der Dank, der alle seine Müh und Arbeit lohnte! So sah das Gebäude seines Glücks aus, das fest gefügt zu haben er sich bisher eingebildet hatte! Der Aelteste mißraten. Die Frau mit chm im Bunde. Wie ihr die Maske in der Leidenschaft herabgefallen war! Und selbst der Tochter (so nahe bei sich hatte er sie eben noch gefühlt) mußte er mißtrauen. War nicht auch sie mit den Anderen verschworen? Denn die Geschichte mit der Gefahr, in der Felix schwebte, glaubte er ihnen allen nicht. Ein Märchen war es, ausgesonnen, um ihn zu überlisten, und den aufrührerischen Sohn und seine Liebste unter sein bürgerliches Dach zu schmuggeln. Selbst die Erinnerung an die Bibelworte, in die Christine, wie in ein kostbares Gefäß, ihre tiefste Weibesdemut eingeschlosfen hatte, brachte ihn in diesem Augenblicke auf. „Schlau ausgedacht von der Person, mich gerade heute bei der Religion zu packen. Hat ihr gewiß der Felix eingeblasen". Aber sie irrten, wenn sie ihn für einen solchen Schwächling hielten. Die Drohung seiner Frau verlachte er. Mochte sie zu ihrem Jungen laufen, in die Zigeunerwirtschaft, zu der tauben Näherin. Wer nicht freiwillig blieb, den lohnte es nicht festzuhalten. Wie er dann mit seinem zerstörten Dasein fertig werden würde, das war seine Sache. Die Welt stand ihm ja offen. Er konnte sein Geschäft verlegen, in die Hauptstadt ziehen ...... Es stürmte und gewitterte in ihm, während er mechanisch aufstand, wenn die Anderen sich erhoben, und wie sie, halb singend und halb recitierend, dem Vorbeter die Repliken gab.

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