Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Versöhnungstag
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Ach! Christel hatte nicht geforscht. Sie hatte nur getrachtet, sich alle Anweisungen einzuprägen. Und der Professor hatte sich ja auch gleich hier in dem Krankenzimmer hingesetzt und an Frau Rosenberg berichtet. „Hast sie wagte nicht die Silbe auszusprechen, dann aber trat sie ihr mit einem scheuen Lächeln auf die Lippen, „hast du den Brief denn nicht bekommen"? Nein. Frau Berta wußte nichts von chm. Ein Schatten der Enttäuschung ging über Christels Züge. „Auch den Zettel nicht, den ich in das Couvert geschoben habe"? Auch den nicht. Was war es denn gewesen? Etwas Wichtiges? Eine Besorgung für den Jungen? Christine schüttelte den Kopf. „Nein, Felix weiß gar nichts davon", sagte sie sehr leise. Dabei stieg ihr eine Blutwelle bis in die Wurzeln ihres Haares. Und Frau Bertas Finger fühlten sich mit festem Druck ergriffen, fühlten die Berührung eines weichen Munds und den Tropfen einer heißen Träne. „Christine! Mutter! Warum kommt Ihr nicht herein"? rief es von drinnen. Die Frauen trennten sich. .Wieder drückte sich Frau Berta unter das Verdeck des Wagens. Instinktiv; im Grunde gleichgültig gegen die Gefahr des Gesehenwerdens. Mit allen Sinnen nur bei ihrem Jungen. Daß sie ihn doch nicht verlassen hätte! An seinem Krankenlager war ihr Platz, und die Ausübung ihrer Mutterpflicht die beste Art um Gott zu dienen. Gleichzeitig trieb es sie nach Hause, um dem Schreiben des Professors nachzuforschen und in das Rätsel von Christinens Mitteilung zu dringen. Auch überlegte sie bereits, was sie daheim alles zusammenpacken könne, um das Behagen chres Sohnes zu erhöhen. Es chm selbst