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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 227

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Versöhnungstag
Date
1911-01-01
Page
Seite 227 (sequence 19)
Language
German
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227 sie sich hin und her. Nahrn diese Nacht denn nie ein Ende? Gegen Morgen mußte sie eingeschlummert sein. Beim Erwachen gelang es ihr nicht gleich, sich zurecht- Zufinden. Nur das Bewußtsein eines großen Unglücks lag zentnerschwer auf ihr. Nun fiels ihr ein: Felix! Wie mochte es ihm gehen? Wie stellte sie es an zu ihm Zu gelangen? Oder doch wenigstens des Professors Nachricht zu Hause abzuwarten? Herr Rosenberg war bereits angekleidet. Er war sehr nervös. Sein Magen vermißte die gewohnte Nahrung. Doch wies er jedes Zureden zurück, und obgleich er selbst darauf bestand, daß seine Frau und die beiden Kinder das Haus nicht nüchtern verließen, gestattete er thnen doch nicht, das Frühstück, wie sonst, im Speisezimmer einzunehmen. In einem kleinen Hinterraum, wie heimlich, mußte es aufgetragen werden. Zur Freude Alfreds, den jede Unregelmäßigkeit vergnügte, und der sich, trotz seines Freundes Philipp Schwarz, den Kakao trefflich munden ließ. Auch seine Mutter zwang sich etwas zu genießen; wobei sie überlegte, unter welchem Vorwand sie sich beim 'Tempelgang verspäten könne. „Geht nur voran," sagte sie mit gut gespielter Energie zu Mann und Kindern, „ich Hab noch etwas in der Wirtschaft zu besorgen." Aber Herr Rosenberg, der schon gerüstet dastand, ungeduldig, die Mahnung seiner Jrdischkeit in geistiger Erhebung zu vergessen, machte eine abschließende Bewegung. „Laß nur die Köchin machen, heute wird nicht gewirtschaftet." Dagegen gab es keine Widerrede. Eine ausgenommen, zu der sie sich noch nicht entschließen konnte. Also wieder auf die Folter. Wieder mit dem hadernden Gemüt in das Haus hinein, in dem nur der Frieden wohnen sollte. Wieder der Möglichkeit beraubt 15*

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