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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Versöhnungstag
Date
1911-01-01
Page
Seite 221 (sequence 13)
Language
German
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221 Woche abgereist. Nach seiner Rückkehr hatte er die Hände seiner Frau gefaßt und liebevoll zu chr gesprochen: „Berta, es war nicht recht von mir, daß ich das Andenken deines Vaters vor dir beleidigt habe. Das Hab ich wissen können, wie ich dich zur Frau genommen Hab, daß du eine Ueberspannte bist. Und du bist mir immer ein braves Weib gewesen. Ich bitt dich also um Verzeihung. Was war, das ist vorbei und nicht wieder gut zu machen. Und jetzt reden wir nie mehr davon". ... Es wurde nicht davon geredet . . . Auch nicht daran gedacht? Frau Rosenberg wußte, daß ihr Junge Zimmerherr bei Frau Werner geworden sei. Sie wußte, daß er, um seines Lebensunterhaltes willen, im Theater allabendlich statiere, daß er billige Nachhilfestunden suche und sich um Schreiberarbeit mühe. Und diese karge Wissenschaft von einem Leben, das dreiundzwanzig Jahre lang, wie sie glaubte, in allen seinen Einzelheiten offen vor ihr dagelegen hatte, verdankte sie einer, die ihr bisher als eine ganz Unerfahrene erschienen war. Sorgfältig hatte sie ihrer Tochter Felixens Liebesabenteuer vorenthalten, um nicht die Unberührtheit dieser Kinderseele zu beflecken. Trotzdem ihre Willenskraft der Schwere der Ereignisse beinahe unterlag, (der Sohn verjagt, der Vater zornig aus dem Haus gegangen) hatte sie geschwiegen, da der Atem ihr ohnehin von Seufzern erstickte, und versucht auch den Augen die Klage zu verwehren. Dem Schmerz, der bei Annas ^Bitten: „Aber Mutter, sei doch nicht so schrecklich traurig", aus ihr herausgebrochen war, hatte sie nur mit Andeutungen Luft gemacht: „Ach, wenn du wüßtest . . . wenn ich dir sagen könnte ..." Da war es wie Ueberlegenheit in ihres Kindes Gesicht getreten. „Aber Mutter, glaubst du denn, daß ich nicht weiß, es ist wegen Felix und Christine? Er hat ja seit Monaten von nichts Anderem mit mir geredet. Und sein Schreibtisch ist ganz voll mit ihren Bildern gewesen.

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