Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Versöhnungstag
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
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216 „Schauspieler soll ich den Felix werden lassen? Warum nicht lieber Taschenspieler oder Akrobat?" Und er hatte sichs verbeten, jemal wieder von dieser Meschuggas etwas zu hören. „Wenn ich das erlaubte, war ich wert, daß man mir noch auf meine alten Tage fünfundzwanzig überzieht." Felix hatte Schweres leiden müssen. War er unlustig zum Arbeiten gewesen, unfreundlich im Verkehr mit dem Personal und den Agenten, hatte er sich heftig tadeln lassen müssen. Dann wieder die Versuche, den Vater durch Fleiß und Arbeit für sich einzunehmen, ohne einen anderen Erfolg als die Bemerkung: „Da sieht man, was für ein guter Kaufmann in dir steckt. Du wirst es mir noch einmal auf den Knieen danken, daß ich dich nicht Hab verlumpen lassen." Hatte man Herrn Rosenberg vorgestellt: ,das seien überwundene Vorurteile' („ich versteh mich nicht auf neue Moden", war seine Erwiderung gewesen) ,der Schauspieler sei so gut ein Künstler, wie ein Maler oder Bildhauer' („Spaß, was mir schon so ein Künstler imponiert") ,die und diese Männer^ seien am Theater reich geworden', war er aufgefahren: „Das freut mich für die Leute, die's so gut getroffen haben. Mein Sohn hat das Gott sei Dank nicht nötig. Er soll Kattune weben und für sich und seine Mutter und Geschwister sorgen, wenn ich einmal nicht mehr bin. Ich Hab mich nicht geschunden und geplagt, damit nach meinem Tod die Fabrik zu Grunde geht und meine Angehörigen nicht ordentlich zu leben haben". Monatelang hatte es wie ein grauer Flor auf der Stimmung der Familie gelegen. Herr Rosenberg, von jeher schweigsam, hatte bei den Mahlzeiten kaum mehr gesprochen. Selbst dem Lieblingskind, dem kleinen Alfred, war seine Munterkeit verwiesen worden. Bis eine nervöse Erkrankung Frau Bertas (wie der Professor meinte: eine Folge ihrer tiefen Depression) die Härte ihres Mannes gemildert hatte.