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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 205 (sequence 67)
Language
German
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205 Regungen eines etwas weichlichen Geistes zuzusehen, für den sich doch nur kühles Interesse, nicht starke Neigung oder Abneigung aufbringen läßt. Man glaubt nicht so recht, weder an die Notwendigkeit noch an das dauernd Siegreiche dieses Ringens eines Halbkünstlers um die volle künstlerische Freiheit, man ist aber auch viel zu überzeugt von Georgs sanft ehrenwertem Wesen, als daß man ihm ernstlich zürnen könnte, man sagt sich eben, seine Tat könne die Verlassene nicht allzu tief verwunden, denn sonst wäre bei Georgs Charakter die Trennung doch nicht erfolgt. Und so muß man bei aller Bewunderung des psychologischen Ausmalens zuletzt zu etwas ermüdender Gleichgültigkeit gelangen. Innerlich ganz unvermittelt stellt sich nun das jüdische Thema neben diese Handlung. Georg kommt viel mit Juden zusammen, und die sprechen immer über ihr Judentum. „Wo er auch hinkam, er begegnete nur Juden, die sich schämten, daß sie Juden waren, oder solchen, die darauf stolz waren und Angst hatten, man könnte glauben, sie schämten sich . . . Es war wirklich absolut ausgeschlossen, mit diesen Leuten harmlos zu verkehren". So ergibt sich denn, rein äußerlich der abseitigen Romanhandlung beigesellt, die bohrende Betrachtung des modernen Judentums. Freilich, eine innerliche Verknüpfung mag dem Dichter wohl vorgeschwebt haben. „Ich glaube überhaupt nicht", sagt der Jude Heinrich Bermann einmal, als von der Befreiung aus jüdischen Nöten die Rede ist, „daß solche Wanderungen ins Freie sich gemeinsam unternehmen lassen . . . denn die Straßen laufen ja nicht im Lande draußen, sondern in uns selbst. Es kommt nur für jeden darauf an, seinen inneren Weg zu finden . . . den Mut seiner eigenen Natur haben". Sollte dies vielleicht die Bindung der beiden auseinanderklaffenden, nur äußerlich zusammengehefteten Romanteile sein, daß an dem abseits liegenden Einzelfall des christlichen Künstlers die individuelle Wahl des „Weges ins Freie" aus drückenden Verhältnissen und Problemen heraus gezeigt wurde, die der Dichter dem allgemeinen jüdischen Beengungen gegenüber getroffen zu sehen

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