Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Zur Handlung gehören dann, immer in der angegebenen Weise charakterisiert, das süße Mädl, die dämonische Herzogin von Lawin und ihr Gatte, der tatkräftige Renaissancemensch. Es fehlt auch nicht der Anhang des süßen Mädls, der Vater: ein düsterer Kanzlist, und der Bräutigam: von „Brackenburg ein Vetter", der rettend eingreift, nachdem das Liesl „der Liebe Laufbahn nun beendet" hat. Und wie die Puppen Schnitzlers Menschen karrikieren, so setzt sich auch die tolle Handlung aus Momenten Schnitzler'schen Dramen zusammen. Doch der Dichter treibt die Selbstverspottung noch weiter, ins Wildere, Buntere, und schließlich ins Rätselhafte. Der „traurige Held", der die dämonische Herzogin nicht besessen und das süße Mädl verloren hat, wird sich „zur ewigen Ruhe begeben". Nun tritt, ebenfalls zur Marionette geworden und gar zum „Wurstel", der Tod auf. Und dann plötzlich lockern sich die Drähte der Puppen, sie gewinnen eigenes Dasein, gehorchen dem Dichter nicht mehr und treiben ihr Spiel mit ihm. Auch fremde Gestalten, deren Schöpfer nicht er ist, taumeln in sein Werk hinein. Hermann Bahrs Meister, Beer - Hofmanns Charolais betreten die Szene und werfen ein Wort in die Wirrnis. Und endlich macht eine Rätselgestalt dem tollen Treiben aus der Bühne und der Verzweiflung des Dichters ein Ende, zwingt auch das tobende Publikum zur Ruhe. Es erscheint ein stattlicher Mann mit nacktem Schwert und zerhaut die Puppendrähte, sodaß alle Marionetten leblos niederfallen, er läßt auch den Dichter sinken, er droht schließlich den Leuten im Parkett, die dort „in höchst fragevoller Wirklichkeit sich brüsten". Wer er sei, vermag der Unbekannte nicht zu sagen: Jst's Wahrheit, die ich bringe, oder Nacht? Folg' ich der Himmlischen . . . der Hölle Ruf? Ist es Gesetz — ist's Willkür, die mich schuf? Bin ich ein Gott? — ein Narr? — bin euresgleichen? Bin ich ich selber — oder nur ein Zeichen? Vielleicht hat Schnitzler da wiederum, und diesmal traurig über ihre Unstillbarkeit, seiner Sehnsucht nach