Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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201 Menschen. Marionettenvolk alles, was sich im Wurstlprater zusammendrängt. Dichter, Schauspieldirektor, Publikum nicht minder als die Puppen auf der kleinen Bühne. Der „Bissige", der „Wohlwollende", der „Naive", der „Bürgersmann" und die „Madeln" — sie sind alle auf ihren Spruch geaicht, der Direktor sucht auf seine Kosten zu kommen, und der arme Dichter muß seine Puppen vor solchen „Bestien" agieren. Die Puppen selber sind die grausam karrikierten, zu Typen erstarrten Gestalten der Schnitzler'schen Werke. So stellt sich der passive Held vor: Ich spiel' in dem Stück mit, Und die Hauptroll' ist mein. Man heißt mich einen Helden, Ich muß ja keiner sein. Und dann erklärt er genauer: So viel will ich von mir verraten: Zu Stimmungen neig' ich, nicht zu Taten, Und sage statt des weitern Berichts: Ich bin der Held dieses Stückes, sonst nichts. Wie in der ganzen Reihe der betrachteten Dichtungen solch ein Stimmungsheld selten ohne den ergänzenden Freund auftrat, wie sich fast zu jedem Anatol ein Max gesellte, so hat auch dieser Puppenheld seine Assistenz, die aber gleich aus drei dem Schnitzler- Kundigen wohlvertrauten Typenbesteht: dem „Räsoneur" — Ich bin der Räsoneur des Stücks, Red' entweder geistreich oder nix. —, dem „Heiteren" — O überaus lustige Existenz! Mich freut der neuerwachte Lenz! —, und dem „Ernsten" — Mit düstrer Ahnung tret' ich ein — Wozu mag ich geladen sein?