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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 200 (sequence 62)
Language
German
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200 Die „Marionetten", drei Einakter, mögen Wohl nach dem „Ruf des Lebens"entstanden sein, unter der Depression, die auf Schnitzler nach der ziemlich einmütigen Ablehnung des ihm sicherlich herzensnahen Stückes lag?) Ich sehe in den kleinen Dramen eine hart satirische Abrechnung des Dichters mit der eigenen Künstlerschast. „Mit Menschenseelen spiele ich", hat er durch seinen Paracelsus stolz verkündet, und „Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug", hieß dort der Kern seiner Weisheit. Nun spielt er erbarmungslos mit sich selber, glaubt Marionettenhaftes im eigenen Wesen und so erst recht in seinen Gestalten zu sehen. Im ersten Stück, dem „Puppenspieler", geht es noch wechmüüg gedämpft zu. Ein verkommener Dichter sucht das Versiegen seines Genies vor sich selber zu bemänteln, indem er von dem Kunstwerk in der eigenen reichen Seele redet, von der inneren Freiheit, die nicht um des leeren Ruhmbegriffes willen vergeudet werden darf. Georg Merklin betritt das Haus eines Paares, das er einst selber als Schachfiguren seiner Laune zusammengekoppelt hat, und ahnt nicht, daß jene nun wahrhaft leben und sein Scheinwesen bemitleiden. Sodann variiert Schnitzler diese ernste Studie in einem zopfig grotesken Puppenspiel, dem „tapferen Cassian." Das Grundthema bleibt: der Held meint Marionettenlenker zu sein und ist Marionette. Doch kommt hier alles derbkomisch heraus; aus ernst genommenen Charakteren find ironisch gemeinte Typen geworden. Der schwächliche Flötist Marfin erscheint als betrogener Betrüger, seine wankelmütige Sophie, die eben noch ein Spielzeug des treulosen Geliebten ist, springt gleich darauf dem muskulösen und großmäuligen Cassian, dem Mörder ihres Martin, an den Hals. Das eigentliche Sündenbekenntnis aber legt Schnitzler in dem letzten Stück, der Burleske „Zum großen Wurst!"' ab. Da hält er erbittert satirische Musterung unter seinen eigenen Gestalten, freilich auch unter seinen Mit- 0 Die „Marionetten" erschienen 1906, also ein Jahr nach dem Mißerfolg.

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