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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 195

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 195 (sequence 57)
Language
German
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195 vor dem „Schleier der Beatrice" erschien, ist noch kein stolzer Tatmensch vorhanden. Vielmehr erscheint der Gegenspieler des Zwiespältigen als ein plumper und beschränkter Gesell, als eine, wenn nicht verächtliche, so doch ein wenig lächerliche Gestalt. Der Waffenschmied Cyprian, der sich vor keinem Traumspnk fürchtet, ist allzu selbstgewiß und prahlerisch, gereizt enthüllt er „eine satte Frechheit, die sich brüstet", gedemütigt und scheinbar gebessert zeigt er sich zuguterletzt — Es war ein Spiel, doch fand ich seinen Sinn Und weiß, daß ich auf rechtem Wege bin — doch schon wieder auf dem sehr fraglichen Wege zu seiner alten verdummenden Selbstsicherheit. Und wie Schnitzler hier den einheitlichen, tatkräftigen Menschen herabdrückt, so erhöht er den zwiespältig Unsicheren zum Mächtigen. „Theophrastus, Bombastus, Hohenheim, genannt Paracelsus", dem der Dichter wohl einige Züge des tatsächlichen Mystikers und Arztes jenes Namens gegeben hat, ist stolz auf sein Wissen von der Unsicherheit alles menschlichen Wissens und Empfindens. Seine ganze Kunst des ärztlichen, suggestiven und hypnotischen Einwirkens beruht im letzten Grunde auf dieser negativen Erkenntnis. Und so versetzt er denn auf suggestivem Wege Menschen in Traumzustände und schafft ihnen Glück, echtes und Lauerndes, denn Mehr als die Wahrheit, die da ist und sein wird. Ist Wahn, der ist . . . Die Handlung, die trotz des schweren Gedankenballastes aufs anmutigste hinströmt, bringt eine „Zauberei" des Weisen, die weder den üblichen Anlaß noch den üblichen Ausgang hat. Paracelsus ist in seine Vaterstadt Basel eingekehrt, hat Kranke auf dem Markt geheilt, die Kunst der studierten Aerzte angegriffen, großes Aufsehen erregt. Meister Cyprian bittet ihn in sein Haus, teils, weil er überhaupt gern von Zeit zu Zeit fahrendes 13*

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